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25. März 2013

Herpes: Wen juckts?

Die warme Frühlingssonne lässt nicht nur Blumen spriessen. Mit der erhöhten UV-Strahlung haben auch Fieberbläschen wieder Saison. Doch wer gesund lebt und die Haut vor der Sonne schützt, hat nichts zu befürchten.

Herpesbläschen 
berühren
Herpesbläschen 
berühren ist tabu, sie aufkratzen ein Fehler – denn dann entstehen zusätzliche Infektionen. (Bild: iStockphoto)

Es kribbelt, es juckt, es spannt; aber noch ist nichts zu sehen. Wer wie rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung gelegentlich unter Lippenherpes leidet, weiss nur zu gut, wie sich eine «Fieberblaatere» ankündigt. Einige Stunden nach Beginn des Kribbelns zeigt sich irgendwo an der Lippe ein gelbliches Bläschen. Klein zwar, aber doch unübersehbar — das zumindest finden die Betroffenen, weil sie sich völlig entstellt vorkommen.

«Lippenherpes bildet sich immer dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist», erklärt Dermatologe Vadym Volpov. «95 Prozent der Menschen infizieren sich im Lauf des Lebens mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1. Bei vier von zehn Menschen wird das Virus danach immer wieder aktiviert. Zum eigentlichen Ausbruch der oberflächlichen Hauterkrankung kommt es meist während einer Erkältung oder bei Stress, wenn man ohne UV-Schutz intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt ist oder wenn man sich vor etwas ekelt», erklärt der Experte mit Praxen in Zürich und Feuerthalen ZH.

Lippenherpes bildet sich, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Treten die Fieberbläschen nur wenige Male im Jahr auf und sind sie auf ein kleines Hautareal beschränkt, kann man ihnen gut mit den gängigen Mitteln beikommen. Die rezeptfrei erhältlichen Cremen und Salben oder Pflaster mit dem Wirkstoff Aciclovir sollen die Bläschen austrocknen, damit unter der Kruste die Infektion besser abheilt. «Hausmittel wie Alkohol, Zahnpaste, Zinksalbe oder Teebaumöl haben eine ähnliche Wirkung», erklärt der Hautarzt. «Wunder könne man allerdings keine erwarten, da es sich um eine oberflächliche Behandlung der Symptome handelt.» Der Verlauf mit Bläschenbildung, Austrocknen, Krustenbildung und Abheilen der Kruste und des darunter liegenden empfindlichen Gewebes dauert mindestens eine Woche.

«Neben der lokalen Behandlung muss man unbedingt auch das Immunsystem stärken. Dazu gehören klassische Massnahmen wie gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung sowie Stressabbau», rät Vadym Volpov.

Virenhemmende Tabletten, sogenannte Virostatika, sollten erst dann angewendet werden, wenn oberflächliche Behandlung und immunverstärkende Massnahmen nichts nützen. Wenn die Herpesinfektion alle drei bis vier Wochen einen grösseren Bereich der Lippen, des Naseneingangs oder der Augenpartie befällt, wenn eventuell die Lymphknoten anschwellen und der Betroffene über ein schlechtes allgemeines Befinden klagt, ist ein Arzt aufzusuchen. «Ausser den Schulmedizinern haben auch Homöopathen und Alternativmediziner Behandlungsmethoden gegen Lippenherpes auf Lager, zum Beispiel die Eigenbluttherapie oder homöopathische Konstitutionsmittel», sagt Vadym Volpov. Auch diese haben zum Ziel, das Immunsystem zu unterstützen und damit die winzigen Bläschen in Schach zu halten.