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23. Februar 2015

Helikopterkinder

Die Helikopterkinder sind unterwegs
Wer hat hier ein «Rotorenproblem»? Die Helikopterkinder sind unterwegs. (Bild Getty Images)

Wir Mamis werden dauernd in Schubladen einsortiert. Wenn wir unsere Babys zu früh in den Chinesischkurs schicken, sind wir Tigermütter. Das sind total leistungsorientierte, kaltherzige Biester, die sich nur über den schulischen Erfolg ihrer Kinder definieren. Schmieren wir den Kleinen öfter mal Nutella aufs Brot, sind wir Rabenmütter. Pfui Teufel!
Die neueste Kategorie, in die man Mütter und Väter stecken kann, lautet «Helikoptereltern». Sie wissen schon, das sind Leute, die immer um ihre Kinder schwirren. Sie liefern ihre Drittklässler mit dem Auto im Schulzimmer ab, sitzen in der Reitstunde hinter ihrem Kind auf dem Pony – und haben selbstverständlich immer einen Defibrillator im Handtäschchen dabei.

Obwohl ich ein totaler Rega-Fan bin, fühle ich mich nicht wirklich angesprochen. Ich überwache meine Töchter eher selten. Im Gegenteil. Wenn hier jemand ein Rotorenproblem hat, dann sind es Ida und Eva. Die beiden umkreisen mich den lieben langen Tag. Wenn ich auf einen Stuhl sinke, bereitet meine Vierjährige garantiert schon die Landung auf dem unwegbaren Mama-Stuhl-Gelände vor. Strecke ich mich ein paar Sekunden aus, weil es mich im Rücken zwickt, höre ich schon das Geratter der Rotoren. Heisst: Ida im Anflug. Und Eva dicht dahinter. Die beiden sind immer dort, wo ich bin. Manchmal balgen sie sich um mich wie die Hunde um einen Knochen. (Unter uns: Das ist ein sehr alter Knochen.)
Neulich entbrannte beim Vorlesen sogar ein Streit um die Frage, wer links von mir sitzen darf. Sie müssen wissen, ich halte das Buch jeweils mit der Rechten. Dort, wo das Buch ist, muss das Kind auf meinen Arm verzichten. Mein Vorschlag an die Verlagshäuser Beltz, Gräfe & Unzer, Piper und wie sie alle heissen: Macht doch mal ein Buch mit dem Titel «Helikopterkinder – Warum Mütter nie eine Sekunde für sich haben».

Noch während ich diese Kolumne schreibe, legt mir der Pöstler ein neues Rezensionsexemplar aus der Hobbypädagogiksparte in den Briefkasten. Vielleicht wurde mein Sehnen erhört. Das Buch heisst «Mokassinkinder». Ich hoffe, die Autorin liefert eine gescheite Anleitung, wie man die lieben Kleinen an den Marterpfahl binden kann, um dann endlich in Ruhe die «Gala» lesen zu können.

Autor: Bettina Leinenbach