Archiv
10. November 2014

Bügeleisen-Sammler aus Leidenschaft

Seit Jahrhunderten bügeln Menschen ihre Kleider. Der Zürcher Claudio Leibacher hat 500 Glätteisen aus allen Epochen gesammelt. Einer ähnliche Leidenschaft geht Karl Vogel nach: Er besitzt 400 Wäscheklammern.

Claudio Leibacher sammelt Bügeleisen
Claudio Leibacher, von Beruf Biberbäcker, sammelt seit 14 Jahren Bügeleisen.

Mir gefallen alte Sachen», sagt Claudio Leibacher (31). Schon als Kind durchstöberte er gerne das Haus seines Grossvaters im Appenzellerland und fragte seine Grosseltern über die Vorfahren und das Leben von früher Löcher in den Bauch. «Besonders das tägliche Leben interessierte mich.» Er fing an, verschiedene einstige Alltagsutensilien zu sammeln. Haushaltgeräte hatten es ihm besonders angetan. Ein Bügeleisen fehlte ihm aber noch lange. Er war 17, als er ein Inserat machte. «In der Migroszeitung war das!», erinnert er sich und lacht.

Claudio Leibacher erhielt zahlreiche Rückmeldungen – das war der Startschuss zu seiner Bügeleisensammlung. Die verschiedenen Formen, die unterschiedlichen Bügeltechniken faszinierten ihn. Er widmete sogleich auch seine Maturaarbeit dem Haushaltgerät und machte sich von da an so oft wie möglich auf die Suche nach neuen Exemplaren. «Während des Geschichtsstudiums an der Universität Zürich klapperte ich jeden Samstag Flohmärkte in der ganzen Schweiz ab.» Das Gute an den Bügeleisen: Sie waren für den Studenten erschwinglich, die günstigsten kosten ein paar Franken, nur wenige, seltene Stücke können schon mal 200 bis 300 Franken teuer sein.

Seine Liebe zur Tradition bestimmte seinen Beruf

Heute, 14 Jahre später, besitzt er um die 500 Bügeleisen. Seine Sammlerstücke stehen sorgfältig aufgereiht in seinem Arbeitszimmer und im Wohnzimmer. Die Formen sind vielfältig. Er hat welche, die fast sieben Kilo schwer sind, andere, die mit Herzchen, Drachen und Schwänen verziert sind. Die meisten sind aus Eisen und wurden im Feuer oder mit Kohle erhitzt. Ein paar wenige werden mit Gas, Spiritus oder Strom betrieben.

In der Ecke seines Arbeitszimmers steht ein Schneiderofen, ein Ofen, wie man ihn einst in Schneiderwerkstätten fand: Am runden Heizkörper sind ringsum sechs Bügeleisen eingehängt, so hatte man stets ein heisses Eisen zur Hand.

Claudio Leibacher besitzt auch Eisen für das Bügeln von Handschuhen, Hüten und Krawatten; und Bügeleisen in Blütenform, die als eine Art Stempel dienten und in den Stoff gedrückt wurden; er hat Tollstäbe, mit denen Halskrausen gebügelt und in Form gebracht wurden, Plissierstäbe, die für plissierte Röcke und Blusen gebraucht wurden. In seinem Wohnzimmer steht eine lange Reihe von «Ochsenzungen», eine besondere Form von Bügeleisen, die in der Schweiz stark verbreitet war. 2008 kuratierte er eine Bügeleisenausstellung im Museum Aargau auf Schloss Lenzburg. «Damals gab ich historische Bügelkurse mit Kohlebügeleisen. Mit Sprit oder Gas habe ich noch nie gebügelt.» Den Traum vom eigenen Museum hat er aufgegeben. «Das ist nicht realistisch», sagt er. Für Interessierte macht er bei Gelegenheit gerne Führungen.

Im Alltag bäckt Leibacher Biber

Claudio Leibacher ist mit seiner Frau Lilith gerade erst in die Wohnung in Wermatswil ZH eingezogen, die ein Erweiterungsbau an das Haus seiner Eltern ist. Dass er hier wohnt, hat seinen guten Grund. Im Untergeschoss befindet sich die Biberbäckerei, die er mit seinem Bruder Silvan führt – eine zweite grosse Leidenschaft.

Zum Biber ist er auch dank seiner Liebe zu alten Dingen und Traditionen gekommen. Ihm gefielen die handgeschnitzten Bibermodel, und er wollte lernen, wie man einen richtig guten Biber backt. Schnell wurde das Hobby zum Beruf. «Als Historiker war es sehr schwierig, eine Stelle in einem Museum oder einem Archiv zu finden. Also sagte ich mir: Warum nicht Biberbäcker?» Er kaufte Profi-Maschinen, holte die Berufslehre nach und nahm seinen Bruder, einen Werbefachmann, mit an Bord. Claudio Leibacher schnitzt die gewünschten Sujets in seinem Arbeitszimmer selbst, wo über 50 verschiedene Schnitzeisen bereitliegen und wo ein Grossteil seiner Bügeleisensammlung ausgestellt ist.

Und bügelt er auch selbst? «Nein», sagt er. «Wir haben kein gutes Bügeleisen!» Seine Frau und er lachen.

Autor: Claudia Langenegger