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15. Februar 2016

Hausaufgaben sind halb so wild

Hausaufgaben können Kinder ganz schön unter Druck setzen. Den Eltern bieten sich viele Möglichkeiten, ihre Sprösslinge zu unterstützen. Nur helfen sollten sie besser nicht.

Hausaufgaben in Begleitung
Hausaufgaben gehen vielen Kindern leichter von der Hand, wenn sie dabei nicht allein sind. (Bild: Getty Images)

Nach der Schule am Tisch ­sitzen, den Bleistift zerkauen und Löcher in die Luft starren – für viele Kinder mit Hausaufgaben ist das der ganz ­normale Alltag.
Oft müssen Eltern bei jedem Wort und jeder Ziffer Geburtshilfe leisten. Woran liegt das? Und wie viel elterliche Unterstützung ist noch normal?

«Es fällt den Kindern heute schwerer, die Hausaufgaben selbst zu machen. Das liegt ­einerseits daran, dass diese oft anspruchsvoller geworden sind, zum anderen nehmen sich ­Eltern heute die Zeit, um ihren Kindern zu helfen – und die Kinder nehmen die Hilfe gern an», erklärt Fabian Grolimund (37), Psychologe und Co-Leiter der Akademie für Lerncoaching in Zürich.

Vor allem kleine Kinder fühlen sich in ihrem Zimmer am Pult rasch einsam. «Sie geniessen es, wenn sie nicht allein sein müssen, sondern ihre Aufgaben zum Beispiel am Küchentisch erledigen dürfen», sagt Fabian Grolimund. «Als Eltern kann man das ruhig zulassen. Allerdings sollte man nicht danebensitzen und zusehen, sondern selbst etwas arbeiten.»
Es ist wichtig, das Kind stetig in Richtung Selbständigkeit zu begleiten und es dazu zu ermutigen. Von Belohnungen rät Grolimund allerdings ab: «Hausaufgaben gehören zu den Pflichten, und dafür sollte es keine Belohnung geben, sonst geht die innere Motivation verloren.»
Wichtiger sei es, das Arbeiten selbst zu etwas Schönem zu machen und anschliessend aktiv Zeit mit dem Kind zu verbringen, beispielsweise mit ihm ein Spiel zu spielen.

Zehn Minuten pro Tag und Schuljahr
Werden die Hausaufgaben dennoch zu einer Belastung für Kind und Eltern, ist es wichtig, mit der Lehrperson zu sprechen. Als Faust­regel gilt: pro Schuljahr und Tag zehn Minuten Aufgaben. Also 10 in der 1. Klasse, 20 in der 2. etc.
Zudem ist es an der Lehrperson, den Kindern zu zeigen, wie man seine Zeit sinnvoll einteilt, und den Schülern Aufgaben zu geben, die sie selbständig begreifen und lösen ­können – auch im Sinn der Chancen­gleichheit.

Für Eltern, die unsicher sind beim Thema Hausaufgaben oder die noch besser lernen wollen, ihre Kinder zu motivieren, bietet die Akademie für Lerncoaching ein kostenloses Onlinetraining an: www.mit-kindern-lernen.ch

Buchtipp: «Mit Kindern lernen – Konkrete Strategien für Eltern», Fabian Grolimund, Exlibris.ch, Fr. 23.60

Autor: Andrea Fischer