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02. September 2013

Hauptsache Liebe

Fast jeder Mensch sehnt seht sich nach dem Traumpartner oder der Traumpartnerin. Viele suchen im Internet – sehr erfolgreich, wie eine Studie zeigt. Andere wagen seit nunmehr 25 Jahren den Schritt ins Fernsehen.

Herzblatt
Die erste und wohl berühmteste Kuppelshow: Herzblatt (Bild: Ufa.de).

Jeder kann sich vor dem Login auf der Online-Partnerbörse neben seinem Computerbildschirm eine Kerze anzünden und etwas wohltuenden Duft versprühen. Aber viel romantischer wird die Suche nach dem Traummann oder der Traumfrau dadurch nicht mehr. Eiskalte Internetalgorithmen, von schlauen Köpfen programmiert, wählen den passenden Ehepartner aus zigtausenden Heiratswilligen. Das geht nicht nur schneller und bequemer als im Sportverein oder Abends in einer Bar – es funktioniert auch besser: Eine Studie der Universität Chicago fand heraus, dass die online entstandenen Beziehungen zufriedener und stabiler sind.

Von den 19'131 repräsentativ befragten Männern und Frauen, die zwischen 2005 und 2012 heirateten, lernten sich fast 35 Prozent im Internet kennen. Diese sind laut der Studie nicht nur glücklicher (5,64 statt 5,48 von 7 Punkten auf dem Couples-Satisfaction Index), sondern auch länger verheiratet: Die Scheidungsrate der Internetehen liegt bei sechs Prozent, während sich 7.6 Prozent der Offline-Paare trennten. Dass der digitale Weg offensichtlich besser funktioniert, muss aber nicht zwingend an den Algorithmen liegen. Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss je nach Anbieter mehrere 100 Franken investieren. Ist die Bereitschaft dazu da, könnte das Interesse an einer ernsthaften Partnerschaft höher sein. Aber darauf gingen die Forscher der Uni Chicago nicht ein. So sagt Guy Bodenmann, Professor vom psychologischen Institut an der Universität Zürich: «Dating-Plattformen werden vor allem mit fester Beziehungsabsicht aufgesucht. Diese Paare gehen schneller eine Beziehung ein und haben früher Kinder als Paare, die sich ‚traditionell’ kennengelernt haben.»

Kuppelshows ein Renner

Neben On- und Offline-Dating existiert noch eine dritte Variante, jemanden kennenzulernen: Eine Kuppelsendung im Fernsehen. «So lieber Manfred, jetzt musst du dich entscheiden,» säuselte Susi von 1987 bis bis 2005 beim berühmten Herzblatt. Blind stellten Kandidatinnen und Kandidaten Fragen – erst die sich langsam öffnende Trennwand gab den Blick auf Kandidatin 1, 2 oder 3 frei. Die Erfolgsquote lässt allerdings nicht Gutes vermuten: Laut Wikipedia heirateten nur zwei von 926 Herzblatt-Paaren.

In der Schweiz gab es zwischen 1996 und 2010 ein ähnliches Format. Bei Swissdate fehlte lediglich die Trennwand, ansonsten funktionierte die Sendung nach dem gleichen Prinzip. Einen deutlich frischeren Ansatz wählte Joya rennt: Ein Teilnehmer musste während der Sendung im Internet nach einer Kandidatin suchen, diese in einer vorgegebenen Zeit finden und sie innert Minuten überreden, mit ihm in die Ferien zu fahren.

In den letzten Jahren produzierten die deutschsprachigen Privatsender eine grosse Masse an Kuppelsendungen. Zunächst standen spezielle Zielgruppen im Fokus. Es ging um Landwirte (Bauer, ledig, sucht, Bauer sucht Frau, Land sucht Liebe), Übergewichtige (Schwer verliebt) oder Millionäre (Bachelor, Catch the Millionaire). Die Sendung Schwiegertochter gesucht überliess es den Müttern, für ihre Söhne die perfekte Frau zu finden. Bei Liebes-Alarm und Grossstadtliebe sollen die Modeartorinnen ihr Glück versuchen, die einsamen Kandidatinnen und Kandidaten unter die Haube zu bringen. Ebenfalls sehr spezielle Sendungen sind Ein Bus voller Bräute und Dating im Dunkeln. Bei Ersterer werden 20 Stadtmädchen durch die deutsche Pampa gekarrt, um richtige Naturburschen kennenzulernen. Beim bereits wieder abgesetzten «Blind Date» wurden je drei Frauen und Männer in einem abgedunkelten Raum aufeinander losgelassen und mussten sich kennenlernen, ohne sich zu sehen.

Einen wahren Boom ausgelöst haben jedoch Kuppelsendungen, die im Ausland spielen. Zwei davon spielen in der Karibik (Liebe unter Palmen, Einsam unter Palmen) und eine wie der Name Liebesglück im Osten verrät meistens in Tschechien und der Ukraine. Weder bei Auf Brautschau im Ausland noch Auswanderer sucht Frau ist die Destination genauer definiert, aber oft steht Asien – genauer Thailand – im Kamerafokus.

Gemeinsam haben alle Kuppel-Sendungen eigentlich nur Eines: Weder den Kandidaten noch den Sendern geht es darum, zwei Menschen zusammenzuführen. Die einen wollen sich lediglich am Bildschirm präsentieren und die anderen eine möglichst hohe Zuschauerquote erreichen – und dafür reichen heutzutage vier Stühle und eine Trennwand nicht mehr aus.

Autor: Reto Vogt