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27. Juni 2016

Hauptsache Hut

Die Damen und Herren vom Hutclub Basel sind ein farbenfroher Blickfang, wo immer sie auftauchen. Für das Migros-Magazin haben sie sich exklusiv in Robe und Schale geworfen – und verraten im Video (oben) etwas über ihre Faszination.

Ein üppiges Federnkonstrukt in Knallrot, eine violette Riesenschleife auf tortenförmigem Grund, eine himmelblaue Pracht aus Tüll: Wie wandelnde Blumen huschen die Gebinde über die Wiese des Botanischen Gartens in Basel. Sie gehören den Damen und Herren des Hutclubs Basel. 11 der 20 aktiven Mitglieder treffen sich an einem nieselig-windigen Tag zum Fototermin.

Mit Hut und Haltung: Ein bisschen Regen, ein kühler Wind? Die Hutträger lächeln das weg
Mit Hut und Haltung: Ein bisschen Regen, ein kühler Wind? Die Hutträger lächeln das weg.

Eine Hand am Hut, die andere am Cüpli, sind die Hutfreunde farbenfrohe Dekoration – wie überall, wo sie auftauchen. Die bunte Gesellschaft hat sich von Kopf bis Fuss der gepflegten Erscheinung verschrieben, zeigt sich gern an Oldtimertreffen, Tennisturnieren oder Pferderennen, auch mal im englischen Ascot. Einmal pro Monat jedoch bleiben die Mitglieder unter sich, gehen gemeinsam essen und erfreuen sich an der Eleganz ihres behuteten Daseins.
Entstanden ist der ungewöhnliche Club vor 25 Jahren in einer Hotelbar: Die heutige Präsidentin, Sonja Hauer (75), arbeitete dort als Barmaid. Um die etwas öden Montagabende zu beleben, gründete sie den «Chapeau-Apéro»: Eintritt nur für Hutträger. Der Hutclub Basel war geboren.
In der vornehmen Erscheinung wider­spiegelt sich eine innere Haltung – nicht zufällig lautet das Motto «Wir leben Tradition und Eleganz». Die Mitglieder des Hutclubs pflegen einen ausgesucht höflichen Ton. Man hilft sich gegenseitig und begleitet die Dame mit dem Rollator geduldig über die holprigen Wege des Botanischen Gartens. Zum Abschied lüften die Herren den Hut, die Damen schütteln lächelnd die Regentropfen von den Kleidern. Die bunten Blumen und Gebinde schweben davon.

Barbara Schulz (52), Basel, Hausfrau

Barbara Schulz
Barbara Schulz

«Ich besitze nur zwölf Hüte, denn wenn einer nicht zu mir passt, setze ich ihn nicht auf. Die Krempe darf beispielsweise nicht zu breit sein. Dieses Exemplar hier habe ich an einer Weihnachtsfeier des Hutclubs per Los gewonnen – er ist einfach perfekt für mich. Im Hutclub bin ich vor allem, um mit anderen Menschen zusammen zu sein und Spass zu haben.»

Robert Schwald (69), Basel, pensionierter Drogist

Robert Schwald
Robert Schwald

«Mein persönliches Motto lautet ‹Schirm, Charme und Melone›. Schirm und Hut habe ich bereits, am letzten Element arbeite ich noch. Ich trage eigentlich immer einen Hut und ein passendes Outfit. Zum Hut- tragen gehört eine gewisse Nonchalance. Ich besitze 40 Hüte und bin seit 15 Jahren Mitglied beim Hutclub.»

Regina Schwald (63), Basel, Kauffrau

Regina Schwald
Regina Schwald

«Ich will neben meinem huttragenden Mann auch gut aussehen, also ziehe ich schöne Kleider und ebenfalls einen Hut an, wenn wir zu zweit ausgehen. Wir bekommen immer viele Komplimente, auch auf der Strasse, von wildfremden Menschen. Ein Hut geht immer, auch im Alltag. Ich kenne keine Situation, in der er nicht passen würde.»

Armin Kreiter (52), Wollbach D, Landwirt

Armin Kreiter
Armin Kreiter

«Wenn ich diesen Hut aufsetze und dazu einen Anzug anziehe, ist das wie Verkleiden. Es macht mir Spass, aber ich schlüpfe danach auch gern wieder ins Alltagsoutfit. Ich habe ein eher wildes Sortiment von Hüten. Oft bekomme ich Teile aus historischen Sammlungen geschenkt. Die passen nicht immer, weil die Menschen früher kleinere Köpfe hatten.»

Gertrud Rothschild (68), Rheinfelden AG

Gertrud Rothschild
Gertrud Rothschild

«Diesen Hut habe ich in einem Hutsalon in Bad Säckingen massfertigen lassen, nach einem Foto, das ich in einer Zeitschrift gesehen habe. Wenn ich ‹behutet› bin, bekomme ich nur positive Reaktionen. Gerade gestern sass ich im Tram, und von draussen winkte mir eine Dame lachend zu.»

Daniel Burato (55), Basel, Informatiker

Daniel Burato
Daniel Burato

«Bevor ich dem Hutclub beigetreten bin, habe ich nie Hüte getragen. Heute bin ich ein kleiner Sammler. Dieses Stück hier stammt aus dem Requisitenfundus eines Basler Theaters. Ich liebe es, mich stilecht zu kleiden – manchmal mache ich auf Dandy, und wenn ich mit dem Cabrio unterwegs bin, trage ich Dächlikappe und Stoffhosen.»

Caroline Wick (35), Birsfelden BL, Zollfachfrau

Caroline Wick
Caroline Wick

«Ich bin die jüngste im Hutclub, aber das Alter ist egal. Hier treffe ich tolle Leute, die viel erlebt und viel zu erzählen haben. An den Hüten gefällt mir vor allem der kreative Teil. Ich kaufe sie secondhand und peppe sie selber auf. In meiner Freizeit designe ich auch Schmuck sowie Kleider und bin künstlerisch tätig.» www.gordonsblog.word press.com

Madi Canonica (80), Binningen BL, pensionierte Reisefachfrau

Madi Canonica
Madi Canonica

«Die meisten meiner Hüte sind Feriensouvenirs. Andere bringen Foulards nach Hause, ich Hüte. Ich mag sie chic. Und sportlich. Im Alltag trage ich kaum je einen Hut, aber an einem Pferderennen oder zum Schön-essen Gehen finde ich Hüte passend.»

Verena Stocker (56), Möhlin AG, HR-Fachfrau

Verena Stocker
Verena Stocker

«Ein Hut ohne stilvolle Kleidung – das geht gar nicht. Kürzlich suchte ich ein Outfit für die Hochzeit meines Sohnes und stellte fest, dass ich zu dem Hut, den ich tragen wollte, kein passendes Kleid besass. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und ein zweifarbiges Kleid gefunden: Beige und das gleiche Karmesinrot des Hutes.
Hüte trage ich, seit ich erwachsen bin. Das war für mich selbstverständlich, weil meine Eltern sonntags Hüte trugen. Erst später habe ich festgestellt, dass man damit heute eher die Ausnahme ist. Einen grossen Teil meiner 60 oder 70 Hüte habe ich ersteigert. Einmal konnte sich eine Frau kaum von ihren Schätzen aus dem 19. Jahrhundert trennen. Erst als ich versprach, sie in Ehren zu tragen, hat sie sie mir verkauft. Und ich trage sie tatsächlich – zu ganz besonderen Anlässen.»

Marliese Wittlin (71), Allschwil BL, Hausfrau

Marliese Wittlin
Marliese Wittlin

«Mit Hut erregt man Aufsehen. Die Leute schauen hin, lächeln einen verschmitzt an oder machen spontan Komplimente. Das ist schön. Aber manchmal fühle ich mich auch ein wenig maskiert, wenn ich mit einem Hut unterwegs bin.
Ich besitze etwa 20 Modelle. Ein Baseballkäppi ist allerdings nicht dabei – so etwas würde ich nie tragen. Egal, wo ich bin, ich schaue mich immer nach Hüten um. Den violetten habe ich in Paris gekauft, gemeinsam mit meinem Bruder; er hat mich beraten. Zum Hutclub kam ich vor 15 oder 20 Jahren, als ich an einem Open-Air-Jazzkonzert war. Die Sonne schien. Meine Freundin Madi und ich entdeckten eine Gruppe von Hutträgern und fanden: Das ist klug! Es war der Hutclub Basel. Kurz darauf waren wir auch dabei.»

Sonja Hauer (75), Allschwil BL, pensionierte Köchin

Sonja Hauer
Sonja Hauer

«Ein Hut gehört einfach zu mir. Gut, zum Einkaufen trage ich keinen – sonst schon. Ich werde praktisch immer darauf angesprochen und bekomme viele Komplimente, vor allem von Männern. Ich besitze etwa 70 Hüte und habe immer Ersatzhüte dabei.» Den Hutclub habe ich vor 25 Jahren in einer Bar gegründet. Weil dort jeweils Anfang Woche nicht viel lief, rief ich für den Montagabend den ‹Chapeau-Apéro› ins Leben. Daraus hat sich der Hutclub entwickelt; ich bin die Präsidentin.
Manchmal gebe ich für unsere Treffen ein Motto bekannt: Rot-Weiss für den 1. August oder ­Schleierhüte für die Damen – Hauptsache, crazy. Am Santiglaus-Treff verarbeiten wir das Hut-Jahr in Form von lustigen Versli.»

Autor: Yvette Hettinger

Fotograf: Kostas Maros