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22. Juli 2013

Hauptsache, es hat Räder!

Jedes Kind braucht ein richtiges Gefährt
Jedes Kind braucht ein richtiges Gefährt – oder mehrere. (Bild iStockPhoto)

Es begann ganz harmlos mit einem roten Bobbycar. Merci, was für ein schönes Geschenk! Beim nächsten Anlass erhielt Ida einen quietschbunten Kinderrasenmäher. Sie kennen diese Dinger bestimmt. Wenn man sie schiebt, machen sie einen Höllenlärm. Merci, was für ein schaurig-schönes Geschenk! Als wir wenige Monate später dann einen Käfer auf Rollen auspackten, wuchs in uns das Unbehagen. Statt dem Kind kleine, gut verstaubare Dinge zu schenken, konnte es den Omas, Opas, Onkels und Tanten nicht sperrig genug sein. Ausserdem galt der Grundsatz: «Hauptsache, es hat Räder». Unser Fuhrpark wuchs und wuchs. Irgendwann hatten wir dann auch noch einen Puppenwagen, ein Trotti, ein Laufrad und ein Kindervelo. Da Ida zwar schon mit drei Jahren ohne Stützrädli gefahren war, verwuchs sie das Minifahrrad schnell. Natürlich musste das nächstgrössere Modell her. Zwischenzeitlich war auch Eva in dem Alter, in dem Kinder den Fahrausweis machen können. Sie erhielt eine Art Dreirad ohne Pedale, eine Carette und zwei weitere Puppenwagen. (Nein, nein, nicht immer dasselbe Modell. Da gibt es grosse Unterschiede. Wir haben einen Holzpuppenwagen von Haba, einen Sportwagen mit vielen Klappfunktionen und einen Buggy.) Ach, und dann wären da noch die Wintergefährte: Zwei Bobs, ein Davoser Schlitten. Fazit: Wir könnten der Amag AG Konkurrenz machen. Locker.

Selbstverständlich werden diese Gefährte auch benutzt. Und zwar jeweils alle an einem Tag. Wenn das Wetter schön ist, stürze ich alle paar Minuten die Kellertreppe hinunter, um das gelbe Trotti gegen das rote Rutscherauto zu tauschen. Oder die Carette gegen den Rasenmäher. Manchmal wollen meine Töchter auch den Bob an das Bobbycar hängen. Oder den Buggy hinter das Velo.

Wenn Sie jetzt finden, dass wir auf hohem Niveau jammern, dann könnten Sie Recht haben. Bekannte von uns haben noch viel grössere Probleme als wir. «Grösser» ist in dem Zusammenhang wörtlich zu verstehen. Ihr Töchterlein bekam im zarten Alter von drei Jahren einen roten Mini Cooper geschenkt. Der Elektromotorflitzer ist ungefähr so gross wie ein Migros-Einkaufswägeli, hat eine Gangschaltung und kann – wenn die Batterie aufgeladen ist – locker eine Viertelstunde lang 20 km/h fahren. Da im Kellerabteil und auch im Schopf der Familie definitiv kein Platz mehr für das Monstrum war, wurde es im Kinderzimmer parkiert. Da die kleine Autobesitzerin ein Geschwisterchen hat, ahnen Sie sicher schon, was jetzt kommt. Ja, eben dieses Geschwisterchen war es irgendwann total leid, quasi unmotorisiert durchs Leben zu krabbeln. Armes Kind. Deswegen bekam der Mini Gesellschaft. Nun steht neben dem Flitzer auch ein Elektro-Quad.

Aber zurück zu unserem Fuhrpark. Aktuell kreisen unsere Gedanken um zwei Fragen:

1. Was kommt als Nächstes? Ein Helikopter, ein U-Boot oder gar ein Pferd?

2. Wann fahren die Nachbarn endlich in die Ferien, damit wir den schon lange geplanten Wanddurchbruch von unserem Kellerabteil in ihr Kellerabteil machen können?

Autor: Bettina Leinenbach