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24. November 2014

Harte Girls auf Rollen

Erstmals reist im Dezember ein Schweizer Roller-Derby-Team an die Weltmeisterschaft nach Dallas. Wer sind die Frauen, die mit vollem Körpereinsatz um möglichst viele Punkte kämpfen? Im Video erklärt eine Spielerin, wie der Sport funktioniert.

Marisa von Weissenfluh (26) alias T. N. Tina
Marisa von Weissenfluh (26) alias T. N. Tina

Quelle: VJii Productions AG

Leila de Azevedo Rodrigues (35) alias ChainHel

Leila de Azevedo Rodrigues (35) alias ChainHell
Ist sie nicht gerade mit Zahnschutz im Bout (Spiel), wirkt die zierliche Genferin eigentlich eher wie ein schüchternes Mädchen: «Manchmal bin ich selber überrascht, was das Roller-Derby mit mir macht», sagt die gelernte Schneiderin, deren Spielername eine Hommage an die Designerin Coco Chanel ist. Bis sie vor zweieinhalb Jahren auf die Rollschuhe stieg, war sie eher ein Sportmuffel: «Nie hätte ich mir erträumt, dass ich dereinst an einer Weltmeisterschaft mitmachen würde.» Mit an die WM darf ChainHell, weil sie schnell und agil ist.

Ann Janes (29) alias Miss Behaving

Ann Janes (29) alias Miss Behaving
«Ich bin das wohl dienstälteste Roller-Girl in der Schweiz», sagt die Thunerin, die Roller-Derby vor fünf Jahren in Tattoo- und Musikheften entdeckt und gemeinsam mit gleichgesinnten die Zürich City Rollergirlz gegründet hat. Zuvor hatte die Marketingassistentin, die fünf ältere Brüder hat, Rugby gespielt: «Ich liebe Roller-Derby, weil es unser Sport ist. Ein Frauensport zu 100 Prozent – und trotzdem Vollkontakt.» Die Stärke von Miss Behaving ist unter anderem ihre Postur: Stellt sich die 1,78-Meter-Frau in den Weg, gibt es für die Gegnerinnen fast kein Durchkommen mehr.

Nina Kuster (36) alias Malice in Wonderland

Nina Kuster (36) alias Malice in Wonderland
«Roller-Derby kann dein Leben verändern», schwärmt die Marketingfachfrau aus Oberrieden ZH. Da der Kampf auf Rollschuhen nach wie vor als Randsportart gilt, ist die Szene klein und eingeschworen: «Jede, die Roller-Derby spielt, ist eigentlich eine Freundin.» Darum habe sie inzwischen Freunde auf der ganzen Welt. «Zudem hat mich der Sport offener und selbstsicherer gemacht», ist Malice in Wonderland überzeugt. Sie ist seit vier Jahren mit dabei und reist als Co-Captain an die WM nach Dallas.

Eveline Trachsel (31) alias Dot Morgue


Eveline Trachsel (31) alias Dot Morgue
«Ob du dick oder dünn bist, ist egal: Hauptsache, du hast Kampfgeist», bringt die Publizistikstudentin, die im technischen Support bei einer Bank arbeitet, das Anforderungsprofil für Roller-Derby-Spielerinnen auf den Punkt. Blockt sie die Gegnerinnen im Oval, gibt sie jeweils alles und nimmt dabei einiges in Kauf: gebrochene Finger, gerissene Bänder und gezerrte Muskeln. Die Zürcherin mit dem morbiden Derby-Namen denkt trotz zahlreicher Blessuren nicht ans Aufhören.

Marisa von Weissenfluh (26) alias T. N. Tina

Marisa von Weissenfluh (26) alias T. N. Tina
«Ich war bis vor drei Jahren total unsportlich und koordinativ unbegabt», erzählt die Bernerin. Darum staune sie selber, dass sie jetzt sagen könne: «Ich bin in einem Nationalteam.» Es habe halt nicht wie bei anderen Sportarten von Anfang an geheissen: «Die kann ja nichts», sondern ihr Team in Zürich habe sie stets motiviert und gefördert. Faszinierend findet die Studentin in visueller Kommunikation auch die Optik rund um Roller-Derby: «Ich finde die Bewegungen super ästhetisch.» Der eigentlich harte Sport habe dank der Rollschuhe trotzdem etwas Elegantes.

Sehen Sie die Zürich City RollerGirlz in Action

Quelle: YouTube / SonicFeverPictures

Autor: Andrea Freiermuth

Fotograf: Vera Hartmann