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12. Januar 2015

«Ich geniesse es zu fliegen»

Schauspieler und Kabarettist Hanspeter Müller-Drossaart liebt die Bühne ebenso wie den Film. Jetzt leiht er dem grossen Innerschweizer Künstler Heinrich Danioth in einem neuen Dokumentarfilm seine Stimme.

«Der Diener zweier Herren»
In «Der Diener zweier Herren» von Goldoni fand Müller-Drossaart mit 17 Jahren als Diener seine erste Hauptrolle.

NAME: Hanspeter Müller-Drossaart (59)

STERNZEICHEN: Jungfrau

WOHNORT: Dietikon ZH

Wieso leben Sie in Dietikon?

Meine Schwester lebt in Urdorf, meine Schwiegereltern in Bergdietikon, ich mit meiner Frau und den zwei Kindern (9 und 14) hier, so sind wir schön nah beieinander. Zudem ist man schnell in Zürich, was für meine Arbeit wichtig ist.

Wo würden Sie gern leben?

Irgendwo am Meer! Gern in Italien oder Griechenland. Das wäre auch ein guter Grund, Griechisch zu lernen, eine wunderschöne Sprache.

Beruf und Lebenslauf:

Ende der 70er-Jahre Schauspielausbildung, mitfinanziert durchs Migros-Kulturprozent; erste grosse Rolle als Jungsenn in «Sennentuntschi», einer TV-Produktion des Schweizer Fernsehens, die 1981 einen mittleren Skandal auslöste; später u. a. «Vollmond» (1998), «Sternenberg» (2004), «Grounding» (2006), «Die Herbstzeitlosen» (2008), «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» (2012). Seit 1998 toure ich regelmässig mit einem Kabarettprogramm durchs Land, inzwischen ist es das vierte.

Bühne vs. Film:

Ich möchte beides nicht missen, es nährt sich gegenseitig. Ein zentraler Unterschied ist der Live-Moment: Auf der Bühne entscheide ich, was das Publikum zu sehen bekommt, und es ist jedes Mal ein wenig anders. Im Film spielt man sich einen Wolf, und am Schluss wirds rausgeschnitten. Dafür hat der Film ganz andere Möglichkeiten.

Was ich an mir mag:
Meine Lust an der Bewegung.

Was ich an mir nicht mag:

Ich bin immer im Chaos. Es wäre schön, ich könnte besser planen.

Was ich mag:

Geselligkeit, gute Bücher, einfache Küche, simple Produkte.

Was ich nicht mag:

Überheblichkeit, übertriebene Lamentos, Ängstlichkeit, Sprachlosigkeit.

Mein bester Entscheid:

2004 freischaffend zu werden und mich nicht mehr bei einer Bühne fest anstellen zu lassen. Für die finanzielle Sicherheit und die Familie war das weniger toll, umso mehr dafür künstlerisch.

Meine Lieblingsmahlzeit:

Ohne einen guten Risotto milanese könnte ich nicht leben.

Meine Lieblingsrolle:

Mario Corti in «Grounding», nicht zuletzt, weil es den ja tatsächlich gibt. Es war eine spannende Aufgabe, ihn im Konfliktfeld rund um den Swissair-Untergang darzustellen. Und natürlich der Dällebach Kari, weniger im Film von Xavier Koller, der war mir zu Hollywoodmässig. Aber die Musicalfigur ist toll, die bringt Karis bösartige Seite ebenso raus wie seine lustige.

Mein Lieblingsregisseur:

Das ist etwas heikel. Aber ich kann sagen, welche Regiequalitäten ich gut finde. Jeff Bridges wurde mal gefragt, wie die Coen-Brüder Regie führen. Er sagte: Die sind super, die sagen nichts – aber im genau richtigen Ton! Ich schätze es, wenn der Regisseur es mir ermöglicht, meine Qualitäten auszuspielen.

Mein Name:

Drossaart kommt aus dem Niederländischen und gehört zur Familie meiner Frau. Komplett hiesse er «Drossaart van Dusseldorp», das bedeutet «königlicher Schlossverwalter aus dem Nebeldorf».

Lieblingsprodukt: Weisse Tourist-Schokolade
Sein Lieblingsprodukt: Weisse Tourist-Schokolade.

Mein Lieblingprodukt:
«Weisse Schokolade ist gefährlich für mich, ich kann ihr nur schwer widerstehen. Die Tourist hat mich schon auf viele Bergwanderungen begleitet.»

Meine erste Bühnenrolle:
«In der Kollegibühne Sarnen OW stand ich 1972 mit 17 das allererste Mal auf einer Bühne. Ich spielte den Diener im Stück ‹Der Diener zweier Herren›, also bereits eine wichtige Rolle.»

Mein Biotop:
«Bevor die Oberfläche im Winter vereist, ist es wichtig, die Blätter zu entfernen. Sonst hat es zu viele Nährstoffe im Wasser. Eigentlich bin ich schon etwas zu spät dran.»

Das Filmplakat zu «Danioth – der Teufelsmaler»
Das Filmplakat zu «Danioth – der Teufelsmaler», dem neusten Film mit Müller-Drossaart in der Hauptrolle.

Mein neuer Film:
«Ein gelungenes Porträt über den 1953 verstorbenen Innerschweizer Universalkünstler Heinrich Danioth, der den roten Teufel an der Schöllenen-Felswand gemalt hat. Ich bin in Uri in der gleichen Gegend aufgewachsen.»
«Danioth – der Teufelsmaler» startet am 15. Januar in den Kinos.

Meine Schwester:
«Lydia (62) ist als Kleinkind in Sarnen OW aus dem Kinderwagen gefallen und seither geistig behindert. Sie lebt in einer ganz eigenen, kindlichen Welt.»

Mein Spitz:
«Der kontaktfreudige Deutsche Mittelspitz Winston von Pommerle ergänzt unsere drei eigensinnigen Katzen – ein perfekter Familienhund.»

Meine Flugzeuge:
«Ich habe schon als Kind Flugzeugmodelle gebaut, heute bastle ich sie gemeinsam mit meinem Sohn. Besonders angetan hat es mir die Superconstellation, im Sommer bin ich eingeladen, einen Flug mit jener zu machen, die in Kloten steht. Ich geniesse es zu fliegen, eine faszinierende Bewegungsform.»

Meine Masken:
«Schon seit der Kindheit bastle ich selbst Masken. Heute baue ich sie auch für eigene Bühnenauftritte. Als Schauspieler muss ich mein Gesicht stets wandeln, deshalb mag ich es, ein Gesicht zu formen, das bleibt.»

Schon lange bastelt Hanspeter Müller-Drossaart Masken, seit einer Weile auch für seine eigenen Bühnenauftritte.

Fotograf: Andreas Eggenberger