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02. März 2015

Hansdampf auf allen Dächern

Trendsportler Nicolas Fischer kennt keine Berührungsängste: Parkour, Ropeskipping, Karate – das Zürcher Bewegungstalent hat schon alles ausprobiert. Sein neustes Projekt: Headis, Tischtennis mit dem Kopf. Im Video (oben) die Sammlung der besten Headis-Momente des letzten Jahres.

Nicolas Fischer im ungesicherten Handstand über den Dächern Zürichs
Nicolas Fischer im ungesicherten Handstand über den Dächern Zürichs. Unter ihm: 30 Meter.

Nicolas Fischer (23) balanciert im Handstand auf der Kante des 30 Meter hohen Parkhauses. «Ein bisschen windig heute!», ruft er dem Fotografen zu. Seine Mutter Anita Fischer (46) beobachtet die Szene, bleibt cool, obwohl ihr Sohn gerade in Lebensgefahr ist. «Ich vertraue ihm. Er kennt seinen Körper und seine Grenzen.»
Dass Nicolas Fischer mit seinem Körper vertraut ist, kommt nicht von ungefähr: Rund 50 Stunden pro Woche verbringt er in Bewegung. Ob als Extremsportler, Trendsportler, Trainer – keine Sportart ist für ihn zu schwierig, kein Gerät zu kompliziert. Der Zürcher Oberländer ist Vize-Schweizer-Meister im Karate und 15-facher Schweizer Meister im Ropeskipping (Seilspringen). Sein aktueller Rekord: 640 Sprünge in zwei Minuten.

Immer am Puls der neusten Trends

Auch Breakdance, klassische Akrobatik und Parkour (urbane Hindernisse möglichst elegant und effizient überwinden) sind Nicolas Fischers Leidenschaft. Er hat aber auch schon Eiskunstlauf und Ballett ausprobiert. «Meine Challenge ist, aus dem, was ich habe, etwas zu machen.»
Als ETH-Student in Bewegungswissenschaften kurz vor dem Masterabschluss und durch die Sport-Event-Firma seiner Eltern ist er immer über die neusten Trends informiert.
Die Sportart Headis zum Beispiel hat er letztes Jahr in die Schweiz gebracht (siehe rechts und Video oben).

Nicolas Fischer
Nicolas Fischer beim Shooting.

Seine Begeisterung für Sport lässt sich einfach erklären: Er ist damit aufgewachsen. Die Mutter war Kunstturnerin, sogar der Grossvater schafft mit seinen 85 Jahren noch den Handstand. Bruder Beni Fischer tanzt Breakdance, und Cousin Lucas Fischer ist Vize-Europameister im Barrenturnen.
Mutter Anita Fischer kümmert sich um die Termine ihres Sohns und achtet auf die Perfektion: «Sie kann auch Drillmeister sein. Wenn ich die Zehen nicht ganz strecke, bekomme ich was zu hören», sagt Nicolas augenzwinkernd.

2010 wurde der Sportler vom Schweizer Fernsehen angefragt, ob er mit einer Seilspringshow bei «Die grössten Schweizer Talente» antreten möchte. Erst wollte er nicht so recht. Dann entschied er sich, «mal vorbeizugehen». Plötzlich tat sich für den jungen Mann die Welt des Showbusiness auf.

Früher war Nicolas Fischer introvertiert und scheu. «Ich konnte nicht einmal einen Vortrag vor ein paar Leuten halten. Seit meinen Fernsehauftritten ist diese Schüchternheit wie weggeblasen.» Mit seinen Kunststücken kam er bis ins Finale der Sendung, 1,2 Millionen Menschen schauten zu. Danach hagelte es Anfragen für Firmenfeiern, Geburtstage und das Schweizer Tourneetheater «Das Zelt».

Seit Kurzem eine eigene Schule

Auch als Coach und Personal Trainer ist Fischer gefragt. Zu seinen Kunden gehören unter anderem die Schweizer Skinati und der HC Davos. Und vor zwei Jahren hat er seine eigene Schule gegründet. Mittlerweile trainiert er rund 100 Schüler in Parkour und baut in Esslingen ZH eine Trainingshalle.

«Das Einzige, was er ausser Sport macht, ist Schlafen», sagt seine Mutter. «Wenn er die Bewegung nicht hätte, wäre er ein hyperaktives Wesen, das wohl medikamentös behandelt werden müsste.»
Fischers Ziel ist es, weiter gut vom Sport leben zu können. Sein Traum: der Cirque du Soleil.

Beim Fotoshooting ist er unermüdlich: «Wir können das noch 100 Mal machen», sagt er, als ihn der Fotograf um einen weiteren Handstand bittet. Auch beim normalen Treppensteigen sucht er die Herausforderung: Er hangelt sich lieber am Geländer hoch. 

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: Dan Cermak