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07. April 2014

Handyvideos: Freispruch für die Jugend

Sex und Gewalt spielen auf den Videos, die Jugendliche mit ihren Handys machen, kaum eine Rolle. Das zeigt eine neue Studie.

Zwei Mädchen schauen einen Film auf dem Handy
Jugendfrei: Die Filme, die Teenager auf ihren Handys schauen, sind grösstenteils harmlos. (Bild: Keystone)

Der Verdacht hält sich hartnäckig: Viele Jugendliche würden auf ihren Handys selbst gedrehte Sex- und Gewaltvideos sammeln, auf dem Pausenplatz herumzeigen und ins Internet hochladen. Die Wirklichkeit ist anders, das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK)der Uni Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste. Für die Studie haben die Forscher über 300 von Jugendlichen gedrehte Handyfilme gesichtet. «Das meiste sind harmlose Momentaufnahmen aus dem Alltag. Die Videos haben Tagebuchfunktion, dienen der Erinnerung oder als Beweis, dass man an einem bestimmten Ereignis war», sagt Ute Holfelder (48) vom ISEK.

Handyfilme sind also weit weniger skandalös, als man aufgrund vereinzelter Fälle wie des pornografischen Ice-Tea-Videos vermuten könnte, das vor etwas mehr als einem Jahr für Aufregung gesorgt hat. Nur gerade in rund fünf Prozent der Handyfilme kommen Sex, Erotik oder Gewalt vor, das zeigen auch andere Studien.
Langweilig wird es trotzdem nicht: Die Tatsache, dass mit dem Handy auch die Kamera immer dabei ist, lässt neue Kulturtechniken entstehen. «Man macht ein Foto beim Anprobieren eines Kleidungsstücks und holt vor dem Kauf die Meinung der Kollegin ein. Oder man lässt sich beim Skaten oder beim Wakeboarden filmen und nutzt das Material, um die Technik zu besprechen und zu verbessern. Das machten bis vor Kurzem nur die Profis», sagt Ute Holfelder.

Auch dem Klischee, Handyvideos würden oft in kürzester Zeit auf Facebook, Youtube und andere Plattformen hochgeladen und dann im Internet kursieren, widerspricht die Studie. «Die Filme dreht man für sich selbst und den engen Freundeskreis», sagt Ute Holfelder.