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02. Februar 2015

Sinnlose Handyverbote

Für Medienpädagogen sind Verbote von Mobiltelefonen an Schulen antiquiert. Entsprechend rücken auch immer mehr Schulen davon ab. Was ist Ihre Meinung als Eltern? Stimmen Sie ab (rechts).

Handys bei Schülern nicht tabu
Handys müssen nicht tabu sein. Schüler sollen lernen, verantwortungsbewusst damit umzugehen. (Bild Fotolia)

In vielen Schulhäusern gilt ein Mobiltelefonverbot – im Unterricht und auf dem Pausenplatz. Doch während die einen Schulen noch darüber nachdenken, schaffen es andere bereits wieder ab. «Und das ist gut so», sagt der Medienpädagoge und Sozialinformatiker Roland Wittwer (41) aus Weinfelden TG, selber Vater von zwei Kindern.

Als fragwürdig bezeichnet er das Beispiel seiner 13-jährigen Tochter: «Sie musste sich für die Schule extra einen Taschenrechner kaufen, weil sie den im Smartphone integrierten Rechner nicht benützen darf.»
Wittwer sieht vielmehr ein riesiges Potenzial für Schulen, während des Unterrichts Smartphones oder Tablets einzusetzen. Immerhin haben gemäss Umfragen acht von zehn Jugendlichen im Alter von 12 bis 13 Jahren ein eigenes Mobiltelefon. Bei älteren sind es noch mehr. «Notfalls können auch zwei oder drei Schüler an einem Gerät arbeiten.»

Derselben Ansicht ist auch die Jugendorganisation Pro Juventute. «Die Kinder sollen lernen, mit ihrem Mobiltelefon verantwortungsbewusst umzugehen. Dazu gehören auch Medienkurse», erklärt Pro-Juventute-Medienexperte Laurent Sédano (38). Zur Medienkompetenz gehört aber auch, medienfreie Zeiten zu haben und mit diesen umgehen zu können. Darum machen für Pro Juventute punktuelle Nutzungsverbote, zum Beispiel während der Schulstunden, durchaus Sinn. «Wichtig ist», so Sédano, «dass die Regeln gut durchdacht und den Jugendlichen verständlich kommuniziert werden.»

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) lehnt ein generelles Handyverbot ebenfalls ab. «Wenn die Geräte aber stören, muss die Schule reagieren – notfalls auch mit einem Verbot», erklärt Franziska Peterhans (56), LCH-Zentralsekretärin.

Autor: Thomas Vogel