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10. August 2015

Halten statt hungern

Abnehmen ist oft nicht von dauerhaftem Erfolg. Ein normales Gewicht im Lot zu halten, ist wirksamer. Weil uns das Älterwerden zusätzlich zusetzt, müssen wir vorher aktiv werden.

Essen ist zum Geniessen da
Essen ist zum Geniessen da, nicht als Mittel zur Stressbewältigung. (Bild: Getty Images)

In der Schweiz haben über die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen zu viel auf den Rippen – Tendenz steigend. Dies trifft hingegen lediglich auf ein Fünftel aller Schulkinder zu. Das bedeutet, dass viele Menschen in einer Lebensphase zunehmen, in der sie dies bewusst verhindern könnten. Leider nutzen nur wenige diese Option und nehmen Bierbäuchlein und Hüftgold stillschweigend in Kauf. «Ich kann ja im Januar wieder abnehmen», denkt sich manch eine(r). Bloss passiert dann oft nichts.

Es mag banal klingen, dahinter steckt aber etwas Wesentliches: Die besten Chancen, mit normalem Gewicht durchs Leben zu gehen, hat derjenige, der nie richtig zugenommen hat. Sind die überschüssigen Pfunde einmal da,
wird man sie nur schwer dauerhaft wieder los. Unser Körper empfindet das höchste je erreichte Gewicht als Idealzustand, und er wehrt sich dagegen, diesen zu verlassen.

Der Körper will bewahren
Kein Wunder: In einer Umwelt, die wenig hergab, aber viel abverlangte, machte dies während Jahrtausenden Sinn. Heute ist das anders. Wir arbeiten nicht mehr intensiv mit dem Körper und brauchen die vielen Kalorien nicht. Mit jedem Kilo zu viel wird es schwieriger, wieder auf ein normales Niveau zu kommen. Gewichtskontrolle ist also am wirksamsten, wenn das Gewicht noch einigermassen im normalen Bereich ist. Allerdings ist es nicht einfach, nur schon das Gewicht stabil zu halten, denn die Zeit arbeitet gegen uns. Altern macht uns fetter, zulasten der Muskeln. Wir verbrauchen weniger Energie. Um das Gewicht halten zu können, müssen wir uns also mehr bewegen oder weniger Kalorien aufnehmen. Oder – idealerweise – beides.

Bei vielen Menschen hat Bewegung auch den Vorteil, dass sie damit automatisch weniger und vernünftiger essen. Das ist besonders dann ein wichtiger Ausgleich, wenn Essen und Trinken nicht nur dazu dienen, satt zu werden. Sondern Frust oder Stress zu bewältigen, der uns allen in manchen Lebensumständen begegnet. Wer das im Hinterkopf behält, kann gezielt vorbeugen.
Essen ist zum Geniessen da. Als Mittel gegen Stress taugen Nahrungsmittel hingegen nicht.

Autor: David Fäh