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18. August 2014

Häuslicher Gewalt entfliehen

Das Frauenhaus Thun-Berner Oberland feiert sein 15-jähriges Bestehen. Es unterstützt Opfer von häuslicher Gewalt.

Symbolbild häusliche Gewalt
Viele Frauen 
verheimlichen, wenn sie in ihrer Beziehung 
Gewalt erleben. Der Gang ins 
Frauenhaus 
ist der erste Schritt, um sich Hilfe zu holen. (Bild: iStockphoto/Getty Images)

Seit 15 Jahren finden Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden, im Frauenhaus Thun-Berner Oberland Schutz und Hilfe. Hier erhalten sie nicht nur telefonische Beratung, sie können zusammen mit ihren Kindern in einer anonymen Wohnung unterkommen. «Frauenhäuser sind eine wichtige Einrichtung», sagt Nicole Rubli (43), Fachberaterin Opferhilfe des Frauenhauses Thun. «Denn häusliche Gewalt ist nach wie vor ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Oft ist der Anruf ins Frauenhaus der erste Schritt nach aussen, den betroffene Frauen tun.»

Wer unter häuslicher Gewalt leidet, versucht dies meist zu verheimlichen – zu gross ist die Scham. «Zudem schauen Nachbarn, Freunde oder Bekannte oft weg», weiss Rubli aus ihrer langjährigen Erfahrung. «Wer physischer, sexueller oder massiver psychischer Gewalt ausgesetzt ist, lebt mit seinen Ängsten oft in grosser Einsamkeit.»

Opfer sind Frauen jeden Alters, jeder Nation, jeder sozialen Schicht. In der Thuner Institution war die jüngste Klientin 18 Jahre alt, die älteste 70. Im Durchschnitt bleiben sie drei Monate. «In dieser Zeit geschieht viel: die Trennung vom Mann, Organisation der Zukunft, das Suchen und Finden einer Wohnung, die Beanspruchung der juristischen Hilfe», erklärt Rubli.

Nicht nur Frauen leiden unter Gewalt zu Hause. Wie die Statistiken zeigen, ist ein Viertel der Opfer männlich. Sie finden in Notsituationen im bisher einzigen Schweizer Männerhaus im Kanton Aargau Schutz. Weibliche Opfer leiden jedoch stärker an den Folgen von Gewalt: Die körperlichen Schäden sind weitaus gravierender als bei Männern. Ohne Hilfe von aussen ist ein Entkommen schwer möglich. Mit einem Marsch von Bern nach Thun feiert das Frauenhaus zusammen mit der Opferhilfestelle Lantana Bern sein Engagement gegen die Gewalt.

Autor: Claudia Langenegger