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13. Juni 2016

Härtere Zeiten für die Arbeitnehmer

Der Aufstieg von Trump & Co. hat auch ökonomische Gründe: Die Löhne stehen unter Druck, und Millionen Jobs werden verlagert.

Der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen ist in fast allen Ländern rückläufig. Die Schweiz bildet eine seltene Ausnahme.
Der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen ist in fast allen Ländern rückläufig. Die Schweiz bildet eine seltene Ausnahme (Daten: Ameco/KOF).

Apple, Google, Microsoft, Facebook: Die vier Unternehmen haben zusammen einen sagenhaften Jahresgewinn von 85 Milliarden Dollar erzielt. Weniger glorios ist ihre Bilanz, wenn es darum geht, Jobs zu kre­ieren: Lediglich 300 000 Mitarbeiter zählen die vier Technologie-Ikonen.

Blenden wir zurück: Ende der 70er-Jahre hiess der weltweit wertvollste Konzern General Motors. Der Autobauer beschäftigte eine Heerschar von 850 000 Menschen, die ­einen Jahresgewinn von 3 Milliarden Dollar erreichten. Die Zahlen zeigen eine bedenkliche Entwicklung: Die heutigen Konzerne arbeiten zwar enorm profitabel, brauchen aber immer weniger Beschäftigte.

Dieser Trend zeigt sich auch deutlich in den volkswirtschaftlichen Daten. In den meisten Ländern ist die Lohnquote, also der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen, markant gesunken (siehe Grafik), vor allem aus zwei Gründen: Mit der Globalisierung haben die Konzerne ihre Produktion immer mehr verlagert, um Kosten zu sparen. In den Emerging Markets können sie auf ein riesiges Reservoir an günstigen Arbeitskräften zugreifen. Hinzu kommt die digitale Revolution, die viele etablierte Berufe zum Verschwinden bringt. Dieses Erdbeben in der Arbeitswelt ist eine wesentliche Ursache dafür, dass die etablierten Parteien an Stimmen verlieren. Stattdessen gewinnen radikale Forderungen an Popularität, wie sie Donald Trump, Marine Le Pen, Beppe Grillo oder Alexis Tsipras vertreten. Aber auch sie können weder die Globalisierung noch die rasante technologische Entwicklung rückgängig machen.

Interessant ist nun, dass es in der Schweiz gelungen ist, die Lohnquote seit Jahrzehnten recht stabil zu halten. Es gibt also Mittel und Wege, den Besitzstand der Arbeitnehmer trotz des wirtschaftlichen Wandels zu wahren. Ein zentraler Faktor ist das hochstehende Bildungssystem der Schweiz: Gut ausgebildete Fachkräfte lassen sich nicht so leicht durch Outsourcing oder Roboter wegrationalisieren. Zudem bietet unser Land stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Diese nützen den Arbeitnehmern letztlich mehr als radikale Hauruckübungen, auch wenn sie in der Theorie verlockend klingen mögen.

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Autor: Albert Steck