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19. November 2012

Härdöpfeler. Prost!

Bänz Friedli mildert den Furzdrang.

«Am liebsten würde ich mich ja ‹Hausfrau› nennen.» Das war vor Jahren mein erster Satz an dieser Stelle, und ich halte daran fest: Hausfrau ist eine ordentliche Berufsbezeichnung, Hausmann klingt mir etwas arg nach Latzhosen und Räucherstäbchen. Dennoch gilt es vielleicht mal zu gestehen, dass ich in gewissen Punkten durchaus vom gängigen Bild der Hausfrau abweiche. Weil …

«Wo waren wir? Beim Rotkohl.»
«Wo waren wir? Beim Rotkohl.»

Weil man mich – nein und nochmals nein – nie im Zumba sehen wird. Da kann Maya mir beim gemeinsamen Proseccoschlürfen noch so vorschwärmen. Dass ich dem Nordic Walking abhold bin, ist schon länger bekannt. Auch meide ich Nailstudios, und bei Enthaarungsangeboten aller Art stellen sich mir die Nackenhaare auf, selbst dann, wenn im Inserat ausdrücklich «Für sie UND ihn» steht. Plus habe ich keine Zeile von «Shades of Grey» gelesen, der Romanserie, welche die Literaturkritik als «Hausfrauenporno» schmäht, und ich habe es auch nicht im Sinn. Von «Desperate Housewives» sah ich, der Househusband, genau acht Minuten, als ich mal reinzappte. Denn normalerweise bin ich um diese Zeit im Fussballtraining. Womit wir freilich bei den gemeinsamen Sorgen wären. Denn ob Fussball oder Zumba, wenn im Training jemand den Furzer hat, ists fast nicht auszuhalten. Man ist ja ohnehin schon ein bisschen ausser Atem; und wenn dann noch der R. (Name der Redaktion bekannt) die Turnhalle verpestet …

Wo waren wir? Beim Rotkohl.

Mist. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das Thema ruhen zu lassen. Doch dann schrieb Manfred: «Wo bleiben die Zwiebeln? Das Sauerkraut? Die Pilze? Die Erdnüsse? Mir scheint, das Thema verlangt eine zweite Folge. Dein eidgenössisch diplomierter Hosentrompeter M.» Wo waren wir? Beim Rotkohl. Leserin Eva insistierte, die Schwarzwurzel hätte gefälligst «Schwarzfurzel» zu heissen, eine Franziska beichtete, wie sie nach exzessivem Zwetschgenkonsum im Yoga «dauernd am Verklemmen war, was nicht immer gelang – und wirklich entspannend wars dann halt auch nicht». Bei Leserin Hazel bläht sich der Darm nach Genuss von frischer Ananas, «und ich wundere mich noch heute», mailt sie, «dass mein Liebster mich damals nach unseren geruchsintensiven Hawaiiferien doch noch heiratete und nicht einfach verduftet ist.» Da gibts ja solche, die behaupten, man habe «pro Furz einen Fünfliber am Doktor gespart». Klingt gut. Und obs wahr ist, ist mir … furzegal. Leserin Hedi schickte mir das Rezept «Räbe ohne Wind»: Speck-, Räben- und Kartoffelwürfel in einer Bouillon eine Stunde köcheln lassen, dann mit dem Kartoffelstanzer traktieren, etwas Mehl und Milch darunterrühren, nachwürzen. «Wie ein etwas feuchterer Kartoffelstock», verspricht Hedi und empfiehlt dazu Hacktätschli. Aber den besten Rat gab Anne aus Niederwangen: «Sie können die Furzkonzerte mildern, wenn Sie direkt nach dem Verzehr einen Schluck Raki oder zwei Schlücke Härdöpfeler trinken. Eventuell gehts auch mit Grappa.» Danke, Anne! Werde ich ausprobieren. In dieser Reihenfolge.

Dann brauche ich auch keine Unterhose, die Gerüche neutralisiert. Die Japaner, mal wieder: haben einen Slip mit Deodorant-Wirkung entwickelt. Die würden auch gescheiter ihre AKWs in Schach halten! Der Clou seien Geruch absorbierende Keramikteilchen im Gewebe. «Gehört ganz klar in die Kategorie ‹Dinge, die die Welt nicht braucht›!!!», findet H. aus Brunnen. Sie hat heute das Schlusswort: «Einen rechten Furz darf man getrost riechen.»

Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli