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09. September 2013

Gute und böse Überwachung

Reto Vogt findet die Überwachung in der Öffentlichkeit genauso schlimm wie die im Internet (Bild: Fotolia).

An vielen Schweizer Bahnhöfen filmen Kameras die Schritte der Pendler. Auch in Sportstadien und auf anderen öffentlichen Plätzen werden Bilder aufgezeichnet, und kaum jemand stört sich daran. Ein Grossteil der Gesellschaft fordert sie geradezu: Kameras sorgen für Sicherheit, heisst es. Aber sobald das Internet ins Spiel kommt, drehen sich die Meinungen um 180 Grad. Überwachung wird plötzlich böse! Selbst vom harmlosen Kartendienst Google Streetview, wo ein 3-D-Abbild einer Stadt online abrufbar ist, fühlen sich viele bedroht. Sogar der oberste Datenschützer Hanspeter Thür ist sich nicht zu schade, davor zu warnen. Auch wenn US-Firmen oder -Behörden die Privatsphäre bei E-Mails und anderen Diensten ignorieren und Menschen überwachen, ist das Geschrei gross. Doch Bürgerinnen und Bürger können nicht erwarten, ständig von Gratisangeboten zu profitieren, ohne etwas zurückzugeben. Statt Franken heisst die gültige Währung im Netz Daten. Nur wer mit Echtgeld zahlt, hat das Recht auf Datenschutz. Seien Sie deshalb konsequent: Stört Sie die Überwachung im Netz, verändern Sie Ihr Nutzerverhalten. Und überdenken Sie Ihre Haltung gegenüber Kameras im öffentlichen Raum nochmals. Privatsphäre ist Privatsphäre, online oder offline.

Was ist bedrohlicher? Diskutieren Sie mit!

Autor: Reto Vogt