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30. November 2015

Schule: Gute Gründe für ein Stehpult

Wer geistig viel leisten muss, sollte hin und wieder am Stehtisch arbeiten – das entlastet den Körper, fördert die Bewegung und kurbelt die Konzentrationsfähigkeit an. Darum sich Stehpulte auch im Büro lohnen, lesen Sie im Artikel rechts.

Begeistert die Kids nicht, fördert aber die physische und mentale Fitness: Stehpult-Unterricht an der Kantonsschule.

An der Kantonsschule Wil SG lernen Schüler seit sieben Jahren im Stehen. «Wir haben ein Zimmer mit Stehpulten», erklärt Rektorin Doris Dieter Schuppli. Und dabei bleibt es vorderhand. «Die Schüler brechen nicht in Begeisterungsstürme aus, wenn sie im Stehen lernen sollen», sagt sie, «obwohl sie wissen, dass es gesünder wäre. Am Pult zu sitzen, ist schliesslich bequemer.»

Studien belegen, dass Lernen im Stehen viele Vorteile hat. Dazu gehören nicht nur die Stärkung der Rückenmuskulatur und die Verbesserung der Körperhaltung. «Schüler an Stehpulten verbrennen rund 15 Prozent mehr Kalorien als ihre sitzenden Mitschüler», erklärt Mark Benden, Professor am Texas A&M Health Science Center. Im Rahmen einer Studie begleitete er 500 Schüler durch ein Schuljahr. Die Schüler konnten im Unterricht an ihrem erhöhten Schreibtisch stehen, sich zwischendurch aber auch auf ihren Stuhl setzen.

Wer steht, nimmt aktiver teil

Mark Benden hält Stehpulte in Verbindung mit mehr körperlicher Bewegung für wichtige Mittel, um die Übergewichtsproblematik in den Griff zu bekommen. Ähnlich sieht das Sarah Uwer, Leiterin des Programms «Schule bewegt» beim Bundesamt für Sport: «Mindestens eine Stunde Bewegung pro Tag wäre ideal.»

Im Rahmen des Programms «Schule bewegt» geschieht das mit speziellen, in den Unterricht integrierten Bewegungsblöcken. Als längerfristiges Ziel möchte Sarah Uwer bei den Lehrpersonen ein Umdenken erreichen, damit Bewegung im Unterricht selbstverständlich und bereits bei der Vorbereitung des Unterrichtsstoffs miteinbezogen wird.

Als positiven Nebeneffekt fördert das auch die Leistungsfähigkeit der Schüler. «Erfahrungen zeigen, dass Erstklässler nur gerade 15 Minuten lang still sitzen können», sagt Sarah Uwer. In der neunten Klasse erhöht sich das Aufmerksamkeitsfenster auf ungefähr 30 Minuten.

Wenn Kinder sich mehr bewegen, sind sie engagierter und aufmerksamer. Das zeigen Mark Bendens Untersuchungen in Texas. Erkennbar war das unter anderem daran, dass sie sich häufiger meldeten und Fragen beantworteten, aktiver an Diskussionen teilnahmen und weniger dazwischenredeten.

Autor: Thomas Vogel