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25. Juli 2016

Grosse Kerle

Der Kühlschrank überquillt
Wenn die Familie dank hungrigen Jungs in die nächste Kühlschrank-Grösse reinwächst ... (Bild: Getty Images)

Emil ist zum Anbeissen süss. Babyhaut, Speckbeinchen, Stupsnase. Obwohl er schon ein Jahr alt ist, ist er immer noch klitzeklein. Einzig seine Händchen passen nicht ins Gesamtbild. Der dritte Sohn meiner Freundin Ursi hat schon jetzt Pranken. Entzückend, aber echt auffällig. Ein Hinweis darauf, dass Emil binnen weniger Jahre zu einem Riesen heranwachsen wird. Ich schätze über 1,90 m, Schuhgrösse 48, halt so wie der Papi. Selbst wenn Emil nach dem Mami kommen sollte, wird er locker 1,80 m. Logisch, dass seine beiden älteren Brüder in Chindsgi und Schule auch zu den Grössten zählen.

Obwohl Ursi es rührend findet, dass sie drei Prachtexemplare in die Welt gesetzt hat, fragt sie sich dennoch, wie das in Zukunft weitergehen soll: Die Kerlchen sind nimmersatt und vertilgen bereits jetzt Lebensmittelberge. Die Zeiten, in denen mittags ein Pfund Spaghetti gereicht hat, sind lange vorbei. Dementsprechend gleicht die Nahrungsbeschaffung einer logistischen Grosstat. Letzte Woche trank Ursis «Mannschaft» 17 Liter Milch. Wir lachen schon jeweils, wenn der LeShop-Mann mal wieder bei Ursi vorrollt und tonnenweise Lebensmittel aus dem Laderaum wuchtet.

Meine Freundin ist eine Frau, die vorausdenkt. Deswegen arbeitet sie an einer geheimen Liste, auf der all diejenigen Dinge aufgeführt sind, die ihr das Leben zukünftig erleichtern könnten. (Die Hausverwaltung weiss noch nichts davon, aber Sie können sich bereits einen Überblick verschaffen.)

1. Neuer Kühlschrank. Nicht so ein gewöhnliches Haushaltsgerät, sondern ein cooles Teil, mehrtürig und begehbar. Und bitte mit Vorhängeschloss dran.

2. Einen Hühnerstall für den Balkon. Grob überschlagen müssten 20 Hennen reichen. Zumindest für den Anfang.

3. Eine eigene Kuh. (Ursi vermutet, dass die anderen Mieter ein Problem mit dem Mist und dem Gemuhe haben könnten. Andererseits könnte man den Motzern ja Milch ab Euter anbieten...)

4. Mehr Platz in der Wohnung. Spätestens, wenn die drei in die Pubertät kommen, wird es nämlich eng. Ein Durchbruch zu Frau Meier und ihrer Katze wäre da eine gute Lösung.
Zumal sich so auch Frau Meiers Kühlschrank mitnutzen liesse.

Autor: Bettina Leinenbach