Archiv
06. April 2015

Gourmetfestival Tessin: «Wir haben ein Traumprojekt»

«S. Pellegrino Sapori Ticino» nennt sich eines der wichtigsten Gourmetfestivals der Schweiz. An der neunten Veranstaltung nehmen 8 Spitzenköche der 51 besten Restaurants der Welt teil. Kopf hinter der Veranstaltung ist Dany Stauffacher.

Dany Stauffacher
Gründer und Kopf hinter dem Tessiner Gourmetfestival: Dany Stauffacher (Bild: zvg).

Dany Stauffacher, wer bei Google nach den Stichworten «Gourmet Festival» sucht, erhält 9,9 Millionen Resultate. Weshalb braucht das Tessin ein Gourmetfestival?

Wir wollen zeigen, was die Schweiz kulinarisch bietet. Nirgendwo gibt es pro Kopf so viele Sterne wie in unserem Land. Und davon profitiert auch der Tourismus. Dieses Jahr werden vom 3. Mai bis 14. Juni 8 der 51 weltbesten Chefs im Tessin kochen. Sie vereinen insgesamt 28 Michelin-Sterne. Und wir haben eine Geschichte: Als wir anfingen, waren wir fünf Freunde, die den Anlass aus Spass organisierten. Zwei Jahre später kamen italienische Spitzenköche dazu. In den acht Ausgaben des Festivals beteiligten sich insgesamt Köche, die über 100 Michelin-Sterne und mehr als 1000 GaultMillau-Punkte vereinen.

Was ist bei der diesjährigen und neunten Ausgabe anders als in den Vorjahren?

Wir haben ja von Jahr zu Jahr Schwerpunkte gesetzt: Ein Mal war es Berlin, ein Mal waren es die Frauen. Und dieses Jahr ist der Besuch der Spitzenköche (wie Andreas Caminada, Anand Gaggan vom gleichnamigen Restaurant in Bangkok oder Diego Munoz von Astrid&Gaston in Lima, Anmerkung der Redaktion) schon sehr speziell. Dabei haben wir das Glück, dass unser Hauptsponsor San Pellegrino uns freie Hand lässt. San Pellegrino ist ja auch verantwortlich für die Liste der weltweit besten Restaurants. Von diesen Beziehungen profitieren wir beim Aufbieten der Köche.

Starkoch Andreas Caminada
Andreas Caminadas Kochkünste sind am 11. Mai im Ristorante Galleria Artè al Lago in Lugano-Cassarate zu bewundern (Bild: zvg).

Wo sehen Sie denn die Tessiner Gastronomie im weltweiten Vergleich?

Wir haben das grosse Glück, Italien so nah zu sein. Italien ist die beste Küche der Welt. Sie beeinflusst auch das Tessin. Und wir sind glücklich, dass wir in einem kleinen Kanton so viele grosse Weine hervorbringen.

In einer Welt der Globalisierung wird Regionalität immer wichtiger. Weshalb beschränkt sich Ihr Festival bei der Weinauswahl nicht auf Tessiner oder zumindest Schweizer Weine?

Es ist unmöglich, nur Tessiner Weine zu öffnen, weil sich deren Vorrat schon nach ein paar Jahren erschöpft. Deshalb haben wir auch schon einen Abend mit deutschen Weinen organisiert. Es ist wichtig, dass wir auch beim Weinthema geografisch offen bleiben.

Sind die Anlässe im Rahmen des Festivals schon ausgebucht?

Eine gute Frage: Wir organisieren ja acht Abende. Drei, vier sind tatsächlich schon ausgebucht, weil wir pro Abend nur 65 Personen berücksichtigen können. Dazu kommt der Eröffnungs- und Schlussabend mit jeweils 120 Sitzen. Wir haben also eine Kapazität von insgesamt 800 Personen.

Wer sind diese Menschen, die das Gourmetfestival besuchen?

Die meisten sind Schweizer. Aber wir haben auch einige Besucher aus Italien und Deutschland.

Fast alle im Schweizer Tourismus beklagen sich über den starken Franken. Die Schweiz hat in den letzten Jahren über 30 Prozent der deutschen Gäste verloren.

Wir sind selber schuld. Schweiz Tourismus hat zu wenig über unsere Stärken in der Önogastronomie kommuniziert. Mit Benoît Violier, André Jaeger, Andreas Caminada oder Robert Speth, um nur ein paar Namen zu nennen, haben wir eine Vielzahl von Chefs, die auf weltbestem Niveau kochen. Und mit dem Gourmetfestival in St. Moritz, dem Saveurs Gstaad oder unserer Veranstaltung zeigt die Schweiz, was wir für ein Potenzial haben. Zum Glück hat der Rückgang der deutschen Gäste auf unser Gourmetfestival keinen Einfluss.

Nächstes Jahr feiern Sie ein Jubiläum: die zehnte Ausgabe. Was dürfen wir erwarten?

Wir haben ein Traumprojekt. Wenn wir das realisieren, wird das der beste Anlass, der weltweit durchgeführt wurde. Die Idee ist teuer und kompliziert. Aber wenn wir alle zusammenarbeiten, haben wir eine Chance.

Was ist gutes Essen für Sie?

Spaghetti al Pomodoro mit Brot und frischen Tomaten. Das ist meine persönliche Nummer 1. Nachher mag ich alles wie Käse und Salami aus dem Tessin. Für mich aber stellt Italien die beste Küche der Welt.

Wo in Italien?

Auf Sizilien. Und wenn ich nicht auf die Linie schauen muss in der Toskana.

Autor: Reto Wild