Archiv
06. Oktober 2014

Gott sei Dank

Jugendliche lassen sich zwar konfirmieren, bezeichnen sich aber als wenig religiös. Das Resultat der neusten Konfirmandenstudie irritiert nur auf den ersten Blick. Stimmen Sie ab: Sollen Eltern den Kindern bei der Religion reinreden?

Konfirmation: Jugendliche machen auch wegen der Geschenke mit. (Bild: Laif/Keystone)

Neun von zehn Konfirmanden bezeichnen sich als wenig oder gar nicht religiös. Dies stellt die Theologische Fakultät der Universität Zürich in einer Studie fest. «Religion ist für Jugendliche heute nicht mehr automatisch Thema. Das liegt daran, dass daheim am Familientisch immer seltener über ‹Gott und die Welt› geredet wird», so Studienleiter Professor Thomas Schlag (49).

Religion könne aber bedeutend werden, wenn sich Jugendliche die grossen Sinnfragen stellten, zum Beispiel in einer Krise. «Es scheint, dass Jugendliche unter den gegenwärtigen Weltverhältnissen und dem Leistungsdruck in der Schule stark leiden», so der Experte. «Sie befassen sich mit den grossen Fragen nach dem Warum, Woher und Wohin.» Nur sei die Kirche heute für die wenigsten der Ort, an dem sie sich die Antworten holten.

Das liege daran, dass die Kirche oftmals nach den Regeln der Erwachsenen funktioniere und aus deren Kontrolle wollten sich Jugendliche ja gerade befreien. «Anders ist es, wenn sie in der Kirche für sie glaubwürdigen Menschen und Angeboten begegnen.» Freikirchen wüssten gut, wie das geht. «Allerdings bezahlen Jugendliche bei diesen einen hohen Preis aus starken Verpflichtungen und rigorosen moralischen Vorgaben», mahnt Schlag.

Dass sich trotz geringer Religiösität noch immer viele konfirmieren lassen, habe mit «guten Familientraditionen» zu tun. Auch wichtig ist, dass etwas herausspringt. Aber nicht nur Geschenke: «Jugendliche achten darauf, ob die Pfarrerinnen und Pfarrer überzeugend sind. Ist das so, können sie sich auf die geistlichen Themen der Konfirmationszeit einlassen.» Damit das möglich sei, müsse die Kirche bereit sein, sich ständig zu reformieren und die Jugendlichen individuell zu begleiten. Thomas Schlag: «Das ist nötiger denn je, denn bei vielen sind heute grosse Ängste und Sehnsüchte vorhanden.»

Autor: Andrea Fischer