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11. November 2013

Google allwissend

Google speichert jede Suchanfrage. So kontrollieren Sie, was der Konzern über Sie weiss und was Sie dagegen tun können.

Google weiss fast alles über Sie, wenn Sie nicht gewisse Einstellungen vornehmen.
Google weiss fast alles über Sie, wenn Sie nicht gewisse Einstellungen vornehmen.

Schauen Sie regelmässig Youtube-Videos? Oder kommunizieren Sie mit einem Gmail-Konto? Laden Sie vielleicht Fotos auf die Picasa-Webseite, oder fragen Sie auf Ihrem Smartphone bei Google Maps nach dem Weg? Unabhängig davon, welchen dieser Dienste Sie regelmässig nutzen: Ein Login bei einem kann genügen, dass Sie bei allen anderen automatisch angemeldet sind. Der Grund: Ihre Zugangsdaten für Gmail funktionieren bei Youtube und allen anderen Google-Diensten ebenfalls. Darüber hinaus hat der Anbieter die Logout-Funktion für wenig geübte Augen versteckt und protokolliert munter mit, was Sie suchen, sich ansehen, wo Sie sich aufhalten…

Protokolle einsehen und löschen

Mit einem Mausklick können Sie prüfen, was Google über Sie weiss: Surfen Sie zu https://history.google.com/history und loggen Sie sich allenfalls mit Ihren Google-Zugangsdaten ein. Sofort sehen Sie Statistiken, wann Sie am meisten Suchanfragen starten, und können jede Suchanfrage nachvollziehen, die Sie bei Google getätigt haben – sofern Sie dabei eingeloggt waren. Das kann praktisch sein: Sie erinnern sich an eine vergangene Suche, nicht aber an den genauen Wortlaut – durchforsten Sie das Archiv und finden Sie das Gewünschte wieder. Das kann aber auch beängstigend sein: Eine einmalige Suche nach Eheringe genügt, und Google weiss, dass Sie womöglich heiraten möchten – und liefert Werbung für Hochzeitskleider.

Zwar sagt Google auch, dass nur Sie selbst auf das Webprotokoll zugreifen können. Aber theoretisch kann der Konzern so berechnen, was Sie in Zukunft machen. Und zwar: die Stelle kündigen (Suche nach Jobangeboten), krank werden (Suche nach Symptomen), in die Ferien fahren (Suche nach Hotels), Essgewohnheiten ändern (Suche nach Tofugerichten) etc. Möchten Sie das verhindern, empfiehlt sich mindestens einer der folgenden drei Schritte:

a) Nutzen Sie nicht alle Internetdienste bei einem Konzern, sondern verteilen Sie: z. B. Suchanfragen bei Google, Routenplaner bei Microsoft, E-Mails bei GMX etc.
b) Loggen Sie sich nur ein, wenn Sie Ihre E-Mails abfragen wollen. Anschliessend sofort wieder ausloggen.
c) Deaktivieren Sie das Webprotokoll von Google. Dazu klicken Sie unter https://history.google.com/history rechts auf das Zahnrad und öffnen die Einstellungen. Mit einem Mausklick löschen Sie alle bisherigen Einträge und schalten die Protokollierung für die Zukunft ganz aus.
d) Untersagen Sie Google, interessenbezogene Anzeigen einzublenden. Dazu klicken Sie unter https://www.google.com/settings/ads/onweb/#display_optout zweimal auf Deaktivieren. Das müssen Sie im Unterschied zu den anderen Massnahmen aber an jedem genutzten Computer separat machen.

Was weiss Google alles?

Google hört mit diesen Massnahmen nicht auf, die Suchanfragen zu protokollieren, sondern speichert sie gleichwohl für 18 Monate. Aber der Konzern kann ohne den Bezug zu Ihrem Nutzerkonto höchstens Statistiken erstellen und diese nicht Ihnen persönlich zuordnen. Immerhin: Auf der Webseite www.google.com/settings bietet Google eine Übersicht, was der Konzern über Sie weiss:

a) Unter Dashboard ist ersichtlich, welchen Google-Dienst Sie schon mal nutzten, und ermöglicht, direkt auf die jeweiligen Einstellungen zuzugreifen.
b) Bei Sicherheit sehen Sie, welchen Diensten Sie die Berechtigung erteilten, auf Ihr Google-Konto zuzugreifen. Diese lässt sich von dort mit einem Mausklick widerrufen.
c) Google+ verrät, mit wem Sie Ihre Fotos, Einträge, Empfehlungen etc. auf dem sozialen Netzwerk teilen, und bietet Hand, dies einzuschränken.

Autor: Reto Vogt