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26. Oktober 2014

Goldrausch im Oktober

Grund genug, mal fremdzugehen.

Die letzten Mohikaner
Die letzten Mohikaner
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Im Gemüsegarten halten die Pfefferschoten (sie sind doch noch errötet!) zusammen mit dem Nüsslisalat noch die Stellung.
Bienen wischen sich die letzten Pollenkörner aus den Augen, und Mosaikjungfern, die immer ein wenig spät daran sind, deponieren eifrig ihre Eier ins feuchte Moos, welches die Steine am Weiherrand mit einer grünen Decke überzieht. Die jungen Libellenlarven werden aber erst im nächsten Frühjahr schlüpfen. Der alte Haselnussbaum hat uns dieses Jahr mit einer grossen Menge seiner Früchte beschenkt. Wir sammeln nicht alle auf und überlassen einen Teil den Waldmäusen und ihren Verwandten. Im Frühling versuchen wir dann herauszufinden, welche kleinen Nager uns in den Wintermonaten besucht haben, denn jede der verschiedenen Mäusearten verwendet eine eigene Technik, um die Haselnüsse zu öffnen.
Mit braunen Pastelltönen und dem sich langsam lichtenden Buschwerk, breitet sich eine melancholische Ruhe im Naturgarten aus. Das Gras ist kurzgeschnitten, die Hecken ausgeholzt und die Weiher mit Auffangnetzen für das Laub überspannt.
Unser Dachfirst ist heute mit einer tiefschwarzen Perlenkette geschmückt: Es sind Stare, die sich da zum Abschied nebeneinander aufgereiht haben. Allen Grund also, auch selber mal fremdzugehen.

Wir schliessen das Gartentor hinter uns und wandern dem nahen Wald entgegen. Wie grosse weisse Murmeln leuchten noch einige verstreute Siloballen aus den abgemähten Wiesen. Von Ferne ist das monotone Knattern eines Maishäckslers zu hören, auch in den grossen „Gärten“ der Bauern gibt es also noch einiges zu tun.
Als wollte er uns begleiten, dreht ein Rotmilan seine Runden am Himmel. Einige dieser schönen Vögel werden wohl hier überwintern, andere in wärmere Gegenden fliegen.
Am Waldrand angekommen, treten wir in die imposante Säulenhalle des Forstes ein. Hier zeigt sich der Herbst grosszügig und voller Reichtum. Die warmen und prunkvollen Farben der Buchen empfangen uns im goldenen Licht. Ab sofort ist es verboten, die Füsse anzuheben, und wir geniessen es, so intensiv durchs Laub zu schlurfen, dass man den wunderschönen Herbstwald mit allen Sinnen fühlen, hören und riechen kann.

Mit einigen feinen Pilzen im Gepäck, die uns der Wald freundlicherweise überlassen hat, treten wir den Heimweg an. Väterchen Winter kann ruhig noch eine Weile auf seinen Auftritt warten, und Frau Holle hat je noch im Garten zu tun.