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02. Juni 2014

Die Glücksbringer der Nati-Stars

Magische Zahlen, positive Gedanken und komische Ticks: Mit welchen Glücksbringern und Überzeugungen unsere Jungs nach Brasilien reisen.

Tranquillo Barnetta
Tranquillo Barnetta

Der blaue Glückspulli von Trainer Jogi Löw, der Glückskuss auf die Glatze von Torwart Fabien Barthez und dann natürlich die Orakelkrake Paul, die während der WM 2010 die Resultate der deutschen Mannschaft voraussagte: Fussball und Aberglaube gehören zusammen wie die Formel 1 und das Boxenluder. Auch die Schweizer Nati-Spieler Gelson Fernandes, Valentin ­Stocker und Tranquillo Barnetta reisen mit einem Glücksbringer nach Brasilien. Michael Lang steht offen zu seinen Ticks. Und Gökhan Inler hält sich in Gedanken an seinen Maskottchen fest.

Negative Überzeugungen mit positiven Leitsätzen bekämpfen

Für Robert Buchli (34) von der auf Sportpsychologie spezialisierten Firma Wetzel GmbH in Bern ist klar: «Das Mentale ist wichtig, weil es von Athleten und Trainern als entscheidender Faktor betrachtet wird.» Gleichzeitig betont der Sportpsychologe: «Egal ob Talisman, Ritual oder Aberglaube – entscheidend ist, dass Erfolg nicht davon abhängig gemacht wird, dass der Athlet den richtigen Pullover trägt oder vor dem Spiel die richtige Handlung ausführt.» Als Extrembeispiel nennt Sportpsychologe Buchli den Tennisspieler Rafael Nadal. Vor jedem Match muss die aktuelle Nummer 1 die beiden Trinkflaschen neben der Bank ausrichten und vor jedem Anschlag die Unterhose zurechtzupfen. «Während im Tennis persönliche Fokussierungsstrategien zwischen den Ballwechseln Platz haben, wäre dies im Fussball nach einem Fehlpass fatal.»

Beim Mentaltraining arbeitet Buchli unter anderem an unbewussten Überzeugungen. Im Gespräch mit den Sportlern macht er negative Einstellungen bewusst und entwickelt mit ihnen positive Leitsätze. Für das Spiel in Manaus empfiehlt er den Nati-Spielern, eine positive Haltung bezüglich der klimatischen Bedingungen zu entwickeln. Also nicht: «Diese Hitze wird uns den Sieg kosten», sondern: «Auch die Honduraner haben heiss.»

Tranquillo Barnetta mit einem Leibchen mit der Nummer 10.
Tranquillo Barnetta mit einem Leibchen mit der Nummer 10.

Tranquillo Barnetta (29): «Im Match trage ich die Nummer 7, die 10 ziert normalerweise den Rücken meines Kollegen Granit Xhaka. Für mich ist die Nummer ein Glücksbringer, weil das Shirt ein Geschenk meines Bruders ist, der über www.natitrikot.ch Trikots aller Nationalmannschaften vertreibt. Die 10 ist eine magische Zahl, denn Fussballgötter wie Maradona oder Pelé spielten mit dieser Nummer. Ich hoffe, dass etwas von ihrem Geist auf mich abfärbt.»

Gökhan Inler mit seinen beiden Yorkshire Terriern.
Gökhan Inler mit seinen beiden Yorkshire Terriern.

Gökhan Inler (29): «Ich habe keinen klassischen Talisman. Meine beiden Yorkshire Terrier Eesha und Keyah sind das, was einem Glücksbringer am nächsten kommt. Ich habe sie schon seit sieben Jahren, seit mein Abenteuer in Italien angefangen und sich meine Karriere drastisch verändert hat. Mit ihnen kann ich abschalten, mich erholen – etwa bei Spaziergängen in der Natur.»

Valentin Stocker.
Valentin Stocker.

Valentin Stocker (25): «Mein Glücksbringer ist ein Armband. Es ist ein Geschenk meiner Freundin und hat mir bisher immer Glück gebracht. Ich trage es eigentlich ständig. Während des Fussballspielens darf ich es wegen der Verletzungsgefahr leider nicht tragen. Aber es gibt mir auch Kraft, wenn es in der Kabine bleibt.»

Gelson Fernandes mit Doudou.
Gelson Fernandes mit Doudou.

Gelson Fernandes (27): «Mir wird das kleine Stofftier meiner vierjährigen Tochter Ariela Glück bringen. Sie gibt ihn mir jeweils mit, wenn ich auf Reisen gehe. Dass sie mir ihren Doudou anvertraut, ist nicht selbstverständlich. Es ist eine grosse Ehre. Während des Spiels bleibt das Stofftier im Hotel. Dort ist es sicher. Es wäre eine Katastrophe, wenn ich Doudou verlieren würde.»

Michael Lang hört vor den Spielen Musik.
Michael Lang hört vor den Spielen Musik.

Michael Lang (23): «Ich bin etwas abergläubisch und habe einige Ticks. Ein Beispiel: Bevor ich aufs Spielfeld gehe, höre ich in der Kabine meist Musik. Gewinnen wir das Spiel, halte ich beim nächsten Mal an denselben Songs fest. Erst bei einer Niederlage wechsle ich den Sound. Solche Rituale geben mir ein gutes Gefühl.»

Autor: Andrea Freiermuth