Archiv
26. Mai 2014

Gewaltfrei in die Zukunft

«Das Leben ist geil!», ist Renato Kauz heute überzeugt. Das war mal ganz anders, als Drogen und Gewalt seine Jugend beherrschten.

Sonnige Aussichten: Nicht zuletzt dank seines Göttibuebs Finn hat der ehemalige Gewalttäter Renato Kauz gelernt, auch die schönen Seiten des Lebens zu entdecken.
Sonnige Aussichten: Nicht zuletzt dank seines Göttibuebs Finn hat der ehemalige Gewalttäter Renato Kauz gelernt, auch die schönen Seiten des Lebens zu entdecken.

Die Lehre abschliessen. Für eine Weile in Sibirien leben und arbeiten. Eine Familie gründen: Renato Kauz (26) war voller Pläne, als das Migros-Magazin ihn vor fünf Jahren besuchte (siehe weitere Artikel zum Thema rechts, auch das Gespräch mit Soziologe Manuel Eisner zur Jugendgewalt). Damals stand er kurz vor dem Ende der Metallbaulehre im Jugenddorf Knutwil LU. In das Erziehungsheim war er als ehemaliger Drögeler und Gewalttäter überwiesen worden.

Die Lehrabschlussprüfung ist inzwischen geschafft, die Rekrutenschule absolviert. Nach anderthalb Jahren in einer WG lebt Kauz momentan allein. Trotzdem hat ein Kind einen festen Platz in seinem Leben: der sieben Monate alte Göttibueb Finn. Mit ihm verbringt Kauz so viel Zeit wie möglich. Für ihn hat er ein Sparkonto eröffnet, und mit ihm will er dereinst in die USA reisen, wenn der Kleine erwachsen ist.

Kiffen, Alkoholexzesse, Prügeleien? «Kein Thema mehr!», sagt Kauz. Dumm sei er gewesen in der Zeit vor dem Jugendheim, einfach nur dumm. Zurzeit übt Kauz fleissig zu schweissen, «für die Bude». Die Stelle bei Würth & Co. in Buchrain LU hat ihm ein Kollege vermittelt. «Meine Vergangenheit war durchaus ein Thema», sagt Kauz, «aber eine halbe Woche nach dem Vorstellungsgespräch hatte ich den Job.»

Der Sibirienaufenthalt muss noch warten. Vorher will Renato Kauz zusammen mit einem Freund in einem Kinderheim in Nepal arbeiten, unentgeltlich. Vier Wochen Ferien werden dabei draufgehen, aber das ist es ihm wert. «Damit helfe ich, Kindern eine Zukunft zu geben», sagt er.

Eigene Kinder sind nach wie vor Teil seines Lebensentwurfs. Und auch sonst ist Renato Kauz voller Pläne. Drogen oder Gewalt haben darin keinen Platz.

Autor: Yvette Hettinger