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28. November 2011

Gesundheitscheck mit dem Handy

Das iPhone könnte uns künftig den Arztbesuch ersparen: Mit Aufsteckmodulen misst das Handy den Blutdruck, die Temperatur oder den Blutzucker und übermittelt die gemessenen Werte gleich dem Arzt.

Gesundheitscheck mit dem Handy
Mit einem Adapter wird das Handy zum Blutzuckermessgerät (Bild: AFP-Images).

Mit einer App wird jedes Smartphone im Handumdrehen zu einem Multifunktionsgerät. Es spuckt nicht nur die Abfahrtszeiten aller Züge aus, sondern kann auch als Wasserwaage, Babyphone oder als mobiler Arzt dienen. Denn gerade in den Bereichen Gesundheit und Fitness hat sich die Zahl der Apps seit 2010 fast verdreifacht und liegt derzeit bei etwa 15 000. Die Anwendungen reichen von der Blutdruckmessung über Seh- oder Hörtests bis zur Überprüfung von Muttermalen.

«Insbesondere für chronisch Kranke können solche Apps sehr nützlich sein», sagt Jacques de Haller (59), Präsident der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH. Denn, wer beispielsweise an Diabetes, Bluthochdruck oder Herzkrankheiten leidet, muss regelmässig Vitalwerte wie Blutdruck, Puls oder Blutzucker protokollieren. Diabetiker etwa sind darauf angewiesen, mehrmals täglich ihren Blutzuckerspiegel zu messen. Das Smartphone dient mit Hilfe eines Adapters von der Grösse eines Feuerzeugs als Messgerät.

«Das ersetzt sicher nicht die Untersuchung beim Arzt, kann aber die Zahl der Routinebesuche verringern», so de Haller. Statt dass der Patient regelmässig den Arzt mit den Messwerten besucht, übermittelt das Smartphone die Werte direkt dem Fachmann. Deshalb sieht der Genfer Arzt das Handy auch nicht als Konkurrenz: «Denn Medizin ist nicht nur eine Zahl, sondern auch die fachliche Interpretation dieser Zahl.»

Das Smartphone ermittelt Messungen zuverlässig

Grundsätzlich findet de Haller diese Entwicklung positiv. «Allgemeinpraktiker können von unnötigen Routinebesuchen entlastet werden.» Er denkt sogar, dass dadurch die Gesundheitskosten sinken könnten: «Denn so erkenne ich als Arzt rechtzeitig, ob sich bei einem Patienten etwas verändert, und kann schneller intervenieren.» So lassen sich Komplikationen mit langen und teuren Spitalaufenthalten vermeiden. Zuverlässig sind die Messungen auch. Das zumindest bestätigt die deutsche Stiftung Warentest. Es habe sich gezeigt, dass die vom Smartphone ermittelten Werte in den untersuchten Fällen genauso zuverlässig waren wie die klassischer Geräte.

Autor: Thomas Vogel