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12. November 2012

«Gesunder Wald ist nicht selbstverständlich»

Wälder werden immer intensiver für Freizeitaktivitäten genutzt. Mit einer Waldvignette will der Verein Berner Waldbesitzer nun ein Zeichen setzen. Erich von Siebenthal über die Ziele der freiwilligen Abgabe.

Erich von Siebenthal (54) ist Präsident des Vereins Berner Waldbesitzer und Nationalrat. (Bild: zVg.)
Erich von Siebenthal (54) ist Präsident des Vereins Berner Waldbesitzer und Nationalrat. (Bild: zVg.)

Erich von Siebenthal (54) ist Präsident des Vereins Berner Waldbesitzer und Nationalrat.

1. Erich von Siebenthal, was ist das Hauptproblem bei der Nutzung der Wälder?

Der Wald wird vermehrt als Erholungsraum genutzt, die Zahl der Besucher – seien es Biker, Spaziergänger, Jogger oder Hundebesitzer − erhöht sich stetig. Der Wald ist aber auch Privateigentum. Die Besitzer bewirtschaften und pflegen den Wald. Seit einigen Jahren ist die Bewirtschaftung aber nicht mehr rentabel; das geschlagene Holz muss wegen der internationalen Konkurrenz und der Frankenstärke unter seinem Wert verkauft werden. Und so sind die Kosten, die den Waldbesitzern für die Arbeit am gemeinsamen Erholungsraum entstehen, nicht mehr gedeckt.

2. Was soll die freiwillige Vignette bewirken, die Bernerinnen und Berner für 20 Franken kaufen können?

Sie soll sensibilisieren. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Wald gesund und stark ist. Wer sich im Wald erholt, dem sollte es wert sein, 20 Franken zu zahlen. Die Freiwilligkeit ist zentral, denn wir wollen in erster Linie auch das gute Einvernehmen von Waldbesitzern, Bewirtschaftern und Nutzern fördern. Mit dem Geld wollen wir Projekte wie die Jungwaldpflege, den Unterhalt der Waldwege und weiteres verwirklichen.

3. In welcher Weise schaden Biker oder Spaziergänger den Wäldern?

Stark befahrene Biker-Routen schaden dem Wurzelwerk und sind eine Belastung für das Gelände. Abgesehen davon schaden Biker dem Wald grundsätzlich nicht. Ein Problem für den Wald sind aber Hundebesitzer, die den Kot ihrer Tiere liegen lassen. Oder Hunde, die nicht an der Leine geführt werden und so manchmal das Wild von ihren Ruheplätzen vertreiben und umherjagen. Im Wald deswegen Sperrgebiete oder Nutzungszonen einzurichten, ist für uns aber keine Lösung, das wollen wir nicht.

4. Haben wir zu wenig Wälder für die verschiedenen Freizeitaktivitäten?

Wir haben genug Wald. In Berggebieten und in den Voralpen wächst er sogar. In bestimmten Gebieten bei Agglomerationen und Städten gibt es aber eine hohe Konzentration von Waldbesuchern. Hier ist die Bewirtschaftung zunehmend ein Problem; bei Holzschlag sperren wir die Gebiete mit Schildern ab – doch nicht alle Besucher halten sich daran.

5. Spielt die Vignette der Berner Waldbesitzer eine Vorreiterrolle für die ganze Schweiz?

Wir wurden belächelt und werden immer noch belächelt. Für uns ist die Vignette aber der beste Weg. Wir wollen die Bevölkerung im positiven Sinn gewinnen. Eine Abgabepflicht könnte sich negativ auf den Wald auswirken: Sie könnte als Freipass und als Recht auf ein Stück Wald interpretiert werden. Wir möchten aber das Verhältnis zwischen Nutzern und Besitzern stärken – zum Wohl des Waldes.

Im Oktober 2012 berichtete die «Berner Zeitung» über die Waldvignette.
Im Oktober 2012 berichtete die «Berner Zeitung» über die Waldvignette.

Der Zeitungsartikel zum Thema

Im Oktober 2012 berichtete die «Berner Zeitung» über die Waldvignette. Zum Artikel

Autor: Claudia Langenegger