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14. April 2014

Generationen – Kinder, wie die Zeit vergeht

Jede Generation hat ihre Idole, Ziele und Werte. Das Migros-Magazin hat zwei Vier-Generationen-Familien an einem Tisch versammelt und mit ihnen über Kindheitsträume, Lebensentwürfe, erste grosse Anschaffungen, Musik und Handys gesprochen.

Die Frauenrunde
Die Frauenrunde der Familie Rieger/Dirlewanger/Frésard auf einen Blick.

Der erste Flug, die ersten Ferien am Meer oder die erste teure Anschaffung: Sie bleiben vielen in bester Erinnerung. Was man sich leisten konnte, wovon man träumte – die Antworten darauf verraten viel über die jeweilige Zeit. Ist man früher, wenn überhaupt, höchstens mal mit seinem Ersparten von Zürich nach Genf geflogen, jettet man heute lieber gleich auf einen anderen Kontinent. Früher hat man Briefe geschrieben, heute verschickt man Nachrichten auf WhatsApp. Früher hat man eine Lehre gemacht, um dann 40 Jahre im gleichen Betrieb zu arbeiten, heute ist man dank zahlreicher Weiterbildungsmöglichkeiten schon mal ein Quereinsteiger. Während die jüngere Generation mit Flexibilität, vielen Möglichkeiten, Globalisierung und digitaler Kommunikation aufwächst, mussten ihre Urgross- und Grosseltern noch mit zahlreichen Entbehrungen zurechtkommen. Ein Generationenunterschied, der auch dem Soziologen François Höpflinger (65) zufolge nicht zu unterschätzen ist: «Leute, die jetzt alt sind, hatten ein härteres Leben und viel weniger Möglichkeiten als die junge Generation.»

Oft gehörte Sprüche wie «Früher war alles besser» bringen niemanden weiter – im Gegenteil, sie ziehen den Graben zwischen den Generationen noch tiefer. Wieso nicht einfach wertfrei über die Unterschiede staunen und sich freuen, dass gewisse Dinge gleich geblieben sind? Zum Beispiel der Wert der Familie. «Für mich gibt es nichts anderes, was zählt», sagt die 31-jährige Samira Frésard-Lüthi. Auch jüngere Generationen schätzen traditionelle Werte. Und es gibt ältere Generationen, die durchaus mit der Zeit gehen: Die 75-jährige Susan Rieger-Frey etwa kann sich ein Leben ohne iPad nicht mehr vorstellen.

DIE MÄNNERRUNDE
Familie Markwalder:
Auch hier tauscht sich eine Familie mit vier Generationen, im Alter von 10 bis 101 Jahren, über Vergangenes und das Heute aus. Zum Artikel

Die Damenrunde: Familie Rieger/Dirlewanger/Frésard

Susan Rieger-Frey (75) hat die Töchterhandelsschule in Zürich besucht und in einer Anwaltskanzlei und einem PR-Büro gearbeitet. Sie ist pensioniert, wohnt in Wädenswil ZH, ist in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder.

Céline Dirlewanger Gunsch (53), Gymnastiklehrerin und ehemalige Artistin beim Zirkus Nock, hat fünf Kinder. Mit ihrem Mann Victor, ihrer ältesten Tochter Samira und deren beiden Kindern wohnt sie in einem 22-Zimmer-Haus auf einem Barockpferdegestüt in Les Enfers JU.

Samira Frésard-Lüthi (31), Gemeindesekretärin und gelernte Kauffrau. Sie ist geschieden und wohnt mit ihren Kindern Anaïs und Sascha in einer Einliegerwohnung im Haus ihrer Eltern.

Anaïs Frésard (9) geht in die dritte Klasse. Ihr Lieblingshobby ist das Spielen mit den Tieren auf dem Hof, sie liebt ihren Hengst Atento.

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Susan Rieger-Frey
Die erste Generation der Frauenfamilie: Susan Rieger-Frey (75).

Wohin ging die erste grosse Reise?

Susan: Mit 15 fuhr ich mit meiner Mama im Reisecar an den Comersee.

Wann sassen Sie das erste Mal in einem Flugzeug?

Susan: Mit 24 flog ich nach Amerika. Ich reiste durchs ganze Land, mein Mann hatte geschäftlich dort zu tun. Meine Reise hat 7700 Franken gekostet.

Anaïs Frésard
Die vierte und jüngste Generation der Frauenfamilie: Anaïs Frésard (9).

Wie hiess Ihre erste Lieblingsband?

Susan: Die Beatles, Bee Gees und Elvis Presley waren bei mir hoch im Kurs.

Das Idol Ihrer Jugend?

Susan: Mein ganzes Zimmer war vollgepflastert mit dem Schauspieler Clark Gable, dem Hauptdarsteller von «Vom Winde verweht».

Wollten Sie immer heiraten und Kinder kriegen? Will Anaïs einmal heiraten?

Susan: Anfänglich wünschte ich mir sechs Kinder. Eigentlich wollte ich gern durch die Welt reisen, aber ich habe schon mit 19 geheiratet. Mein jüngster Sohn ist übrigens nur zwei Jahre älter als meine Enkelin Samira.

Céline Dirlewanger Gunsch
Die zweite Generation der Frauenfamilie: Céline Dirlewanger Gunsch (53).

Was haben Sie als Kind am liebsten gespielt?

Susan: Am liebsten mit Puppen, vor allem habe ich aber gezeichnet und täglich Klavier gespielt.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Handy?

Susan: Zuerst fand ich Handys blöd. Mein erstes war ein Nokia. Heute habe ich alles von Apple: iPod, iPhone, iPad und ein Macbook.

Wie kommunizieren Sie miteinander?

Susan: Ich schicke meiner Tochter und meiner Enkelin SMS oder ab und zu Mails.

Samira Frésard-Lüthi
Die dritte Generation der Frauenfamilie: Samira Frésard-Lüthi (31).

Arbeiten Sie gern mit den Händen?

Susan: Ich spiele gern Klavier oder gärtnere auf meinem Balkon.

Was war respektive ist Ihr Traumberuf?

Susan: Als Kind wollte ich Lehrerin werden. Aber eine Berufsberaterin hat mir vom Lehrerberuf abgeraten, ich sei dafür zu parteiisch.

Wie wichtig ist Ihnen die Familie?

Susan: Sehr wichtig, auch meine Katze gehört zur Familie. 
Meine Urgrosskinder sehe ich leider selten, da sie so weit weg wohnen.

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: René Ruis