Archiv
05. August 2013

Gemeinsames Jubiläum

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Diesmal mit Nadine Masshardt (28), SP-Nationalrätin, Bern.

Nadine Masshardt
Nadine Masshardt (28), SP-Nationalrätin, Bern. (Bild zVg)

Was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie den Namen Gottlieb Duttweiler hören?

Duttweiler war ein Macher – ein cleverer Geschäftsmann, der aber nicht nur an den Profit dachte. Sein Einsatz für Kultur und Bildung kommen mir spontan in den Sinn.

Wie stehen Sie zur Politik, die er zeit seines Lebens gemacht hat?

Beim Nachlesen über sein politisches Wirken stutze ich vor allem bei Duttweilers Einsatz für eine starke Luftwaffe. Er forderte, dass die Schweiz 1000 Militärflugzeuge beschaffen soll. Mir scheint dies ein Widerspruch zu sein zu seinem sonstigen Einsatz fürs Gemeinwohl. Identifizieren kann ich mich sicher mit seiner Idee, den Menschen ins Zentrum zu stellen, die Kultur zu fördern und auch mit seinem Prinzip, immer an die nächsten Generationen zu denken.

Beeinflusst Duttweiler Ihre politische Arbeit oder die Art des Politisierens?

Nicht direkt, ich bin erst 22 Jahre nach seinem Tod geboren. Duttweiler hat aber bewiesen, dass jeder etwas bewegen kann, wenn er von seinen Ideen überzeugt ist und Verantwortung übernimmt. Das versuche auch ich zu beherzigen. Schliesslich hat Duttweiler exemplarisch vorgelebt, dass Politik Alltag ist und Alltag Politik.

Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm: «Wir glauben, dass in der kommenden Zeit nur ein Kapitalismus sich behaupten kann und muss, der sich über soziale Leistungen ausweist.» Stimmen Sie zu?

Es wäre interessant zu wissen, ob er dies als Migros-Chef heute noch sagen würde. Der Grundsatz, sich als Unternehmer dem Gemeinwohl zu verpflichten, ist sehr vorbildlich. Dazu gehört auch, dass er die Migros bereits 1941 zu einer Genossenschaft machte. Das begrüsse ich.

Duttweiler warf eine Fensterscheibe beim Bundeshaus ein, weil der Nationalrat einen Vorstoss verschleppte. Haben Sie auch noch einen kleinen Revoluzzer in sich?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich zu solchen Methoden greifen würde. Ich versuche, mit Argumenten zu überzeugen. Manchmal muss man natürlich aufrütteln. Sachbeschädigungen sind aber sicher das falsche Mittel.

Sehen Sie heute eine ähnliche Figur in der Schweizer Politik, wie sie Duttweiler war?

Er war und ist meines Erachtens mit niemandem vergleichbar.

Bei welchen Themen würde er sich heute besonders engagieren?

Die Energiepolitik ist ein enorm wichtiges Thema, das vor allem künftige Generationen betrifft. Ich denke, dass sich Duttweiler für die Energiewende engagieren würde. Denn davon profitiert nicht nur die lokale Wirtschaft und der Bildungsstandort, sondern auch die Umwelt. Er würde sich sicher auch für die Kulturförderung und hoffentlich für regionale, saisonale sowie biologische Produkte einsetzen. Sicher wäre er als verantwortungsvoller Arbeitgeber auch für mehr Lohngerechtigkeit.

Würde Gottlieb Duttweiler gut in die heutige SP passen?

Zumindest vom Jahrgang her, schliesslich feiert auch die SP Schweiz dieses Jahr den 125. Geburtstag (lacht). Er hat zwar die Partei Landesring der Unabhängigen, LdU, gegründet. Doch sein Einsatz für die Allgemeinheit, für Umwelt sowie Bildung und Chancengleichheit lebt heute am ehesten die SP weiter.

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Die nächste Folge mit SVP-Nationalrat Lukas Reimann .

Autor: Reto Vogt