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13. April 2015

Der Gemeindeammann der glücklichsten Schweizer

Max Soller (SVP, 59) ist seit Sommer 2011 Gemeindeammann von Berg TG. Der Bauernsohn und dreifache Familienvater besuchte bereits die Sekundarschule in Berg und hat an der HSG in St. Gallen Finanzen und Rechnungswesen studiert. Das Interview mit dem Vorsteher der glücklichsten Schweizer und die Reportage aus Berg («Mitten unter den Zufriedenen»).

Max Soller Gemeindeammann Berg TGMax Soller Gemeindeammann Berg TG
Max Soller Gemeindeammann von Berg TG.

Max Soller, laut Nextsuisse leben in Berg die zufriedensten Schweizer. Wieso?

Ich bin gegenüber solchen Analysen immer sehr vorsichtig. Nun, wir sind – wie viele andere Gemeinden sicher auch – «gmögig». Die Einwohner schätzen die geordneten Strukturen, den offenen Umgang miteinander, das gute Einvernehmen von Schule, Kirchen und der politischen Gemeinde. Die Bevölkerung zeigt sich sehr aktiv in den Vereinen, den Kirchen und den verschiedenen gemeinnützigen Institutionen. Das sorgt für den nötigen Kitt.

Was gefällt Ihnen an Berg?

Wir haben geordnete Verhältnisse, sind eine friedliche Wohngemeinde. Die Lage über dem Thurtal mit ihrer Ausrichtung Richtung Süden und der Sicht auf den Alpstein ist sehr privilegiert. Grössere Orte wie Weinfelden oder Amriswil sind innert kurzer Zeit erreichbar. Und Berg hat eine starke Infrastruktur mit Schulen, Post, Bank und Einkaufsmöglichkeiten.

Berg ist auch steuergünstig.

Tatsächlich figurieren wir im kantonalen Vergleich mit unserem tiefen Steuerfuss in den vorderen Rängen. Wir haben keine Schulden und viel Eigenkapitalreserven.

Was muss besser werden?

Die moderne Kommunikation. Wir laufen nur teilweise auf Glasfaser. Wir wollen ein zeitgerechtes Kommunikationsnetz installieren.

Moniert wird auch, dass es nicht einfach ist, Wohnungen zu finden.

Es stimmt: Es gibt zu wenig Mietwohnungen, und die sind dadurch relativ teuer. Das führt dazu, dass die Jungen kaum eine zahlbare Wohnung finden, wenn sie von zu Hause wegziehen. Bauland wäre vorhanden. Wir sind daran, eine Zone mit drei kleinen Mehrfamilienhäusern zu erschliessen.

Am 8. März 2015 wurden Sie bei einer Stimmbeteiligung von 35 Prozent für eine zweite Amtsperiode klar wiedergewählt. Was sind Ihre Ziele?

Wir wollen verschiedene Infrastrukturprojekte realisieren. Dazu gehören der Bau eines Reservoirs im zu Berg gehörenden Dorf Mauren, die Gesamtsanierung von Werkleitungen, die Anpassung von Gemeindewerkleitungen im Zusammenhang mit dem Doppelspurausbau der SBB auf einer Länge von 4,5 Kilometern. Wir müssen aber auch Bauland erschliessen, das Baureglement und den Zonenplan erneuern, die 30er-Zonen überprüfen, die ärztliche Versorgung sicherstellen. Sie sehen, uns geht die Arbeit nicht aus.

Was braucht es, damit Sie persönlich zufrieden sind?

Je älter man wird, desto unwichtiger werden materielle Werte. Mit 20, 30 strebt man nach Erfolg und einer beruflichen Karriere, gerade wenn man wie ich aus bescheidenen Verhältnissen kommt. Heute bin ich zufrieden, wenn ich gesund bin und das machen kann, was ich möchte: wandern oder ins Fitnesscenter gehen ohne gesundheitliche Beschwerden.

Sind Sie zufrieden?

Ja. Weil es mir gesundheitlich gut geht und weil ich einen Job habe, der mich top motiviert und ich mir dabei das eine oder andere leisten kann. Dazu gehört fast jedes Jahr eine grössere Überseereise oder in den Alpen wandern zu gehen – meist im Alpsteingebiet.

Autor: Reto Wild