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18. Februar 2013

Gelernt ist gelernt

Bänz Friedli vernimmt sein eigenes Echo.

Ihr Name war Deborah, und am nächsten Tag tat mir alles weh. Nein, nicht, was Sie jetzt wieder denken! Snowboardunterricht hat die junge Frau mir erteilt. Am Abend gönne ich mir ein heisses Bad. Etwas, das ich daheim nie tue. Aber in den Sportferien ein liebgewonnenes Ritual, stets unter Anwendung eines Badezusatzes, der scheints den Muskelschmerz lindert. Ich also entspannt am Planschen … «Vati!», kommt Hans ins Badezimmer der Ferienwohnung gestürzt, «du musst mir antworten!» Ich: «Aber ich war doch … ähm … Hatte grad den Kopf unter Wasser.» — «Du musst antworten, wenn ich rufe!», insistiert mein Sohn, «ich mache mir sonst Sorgen.» Dreimal dürfen Sie raten, woher er das hat. Wenn er zu Hause badet, und ich rufe aus der Küche: «Hans? Alles in Ordnung?», kommt nie Antwort, denn er kann mich gar nicht hören um all die Ecken. Ausserdem wird ein Zwölfjähriger ja wohl nicht in der Wanne ertrinken. Und ohnehin beaufsichtigt man ihn entweder, oder man vertraut darauf, dass nichts passiert. Rufen ist albern. Trotzdem lasse ich vom ewigen «Alles in Ordnung?» nicht ab. Und das habe ich nun davon: Er imitiert meine Kontrollrufe, weist mich im selben Ton zurecht.

Dreimal raten, woher Hans das hat …
Dreimal raten, woher Hans das hat …

Am nächsten Abend kocht Hans eine seiner Spezialitäten, «Spaghetti Toma-Mo»: Gehackte Zwiebeln in reichlich Olivenöl andünsten, Tomatenschnitze mitdünsten, mit Pfeffer, Oregano und Meersalz würzen. Die entstandene Sauce über die abgetropften Spaghetti leeren, in Stückchen geschnittenen Mozzarella und frisches Basilikum dazugeben, mischen, fertig! «Hans, wie war das gleich mit den Gänsen und Schafen?», rufe ich aus der Stube. Er erwidert: «Muesch nid dür d Wohnig päägge!» Er verstehe mich nicht, das Brutzeln und der Dampfabzug seien zu lärmig. «Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du in die Küche kommen sollst, wenn du mich etwas fragen willst?» Hoppla, das ist Originalton Bänz Friedli. Man vernimmt sein Echo aus dem Mund der eigenen Kinder. Anna Luna zu mir: «Psst, du siehst doch, dass ich am Telefon bin!» Hans zu ihr: «Jetzt ist fertig am Handy rumgefingert. Wir essen!» Und dann stellt er, wie ich es daheim stets tue, die Musik ab. (Schade, Ben Harper und Charlie Musselwhite bluesten grad so schön … Aber die Regel «Keine Berieselung während des Essens» stammt ja von mir.) Merke: Meine Kinder werden ihre Kinder mit denselben Sprüchen nerven, mit denen schon meine Eltern mich genervt haben.

Dreimal raten, woher Hans das hat …

Ehe ichs vergesse: Ich wurde gebeten, die Rechnung von Bauer Schmids Wiese aufzulösen. «Es laufen 152 Beine umher, und es gibt 61 Köpfe. Wie viele Gänse und wie viele Schafe hat es?» Wären alles Gänse, hätte es 122 Beine; es hat aber 30 Beine mehr, also 15 Schafe. Folglich sind es 46 Gänse.

Es ist kein Geheimnis, dass ich für gründlichen Hauswirtschaftsunterricht neben all dem kniffligen Schulstoff bin. Nun sollen die Hauswirtschaftskurse an den Zürcher Gymnasien aber gestrichen und ins Untergymi abgeschoben werden. Dabei ist der «Husi»-Kurs für die 17-Jährigen beste Vorbereitung aufs Leben. Die Jugendlichen lernen, ihr Budget einzuteilen, werden aufgeklärt über die CO2-Bilanz von Mozzarella — und dass Tomaten im Februar nicht Saison haben … Das hab ich unseren Kindern noch nicht klargemacht. Dafür snowboarden sie super. Und auch ich kanns schon ganz ordeli, Deborah sei Dank! Die hat mir Kniffe beigebracht, auf die ich nie gekommen wäre. Manchmal muss Unterricht einfach sein.

Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli