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13. Juli 2015

Geld ohne Zinsen vermehren

Sparen lohnt sich je länger, desto weniger: Wie kann ich mein Kapital vermehren, wenn es keine Zinsen mehr gibt?

Sparen ohne Zinsen
Die Rendite der 10-jährigen Schweizer Bundesobligation ist von 4 Prozent praktisch auf 0 gesunken. Umgekehrt haben die Schweizer Aktien ihre Dividendenrendite verdoppelt.

Sparen heisst: Man lässt das Geld für sich arbeiten. Und bekommt den Lohn in Form von Zinseinnahmen. So haben wir es gelernt. Doch seit der Finanzkrise gilt das nicht mehr: Im Kampf gegen die Krise haben die Notenbanken den Zins nach und nach abgeschafft. Mehr noch: Sie haben auch den Zinseszins abgeschafft. Denn dieser war es, der das Sparen wirklich lohnenswert machte: Als Sparer brauchte es nur etwas Geduld, und das Vermögen sowie der jährliche Zinsertrag hatten sich glatt verdoppelt.

Dank des Zinseszinses wuchs Ihr Kapital also nicht linear, sondern exponentiell. Ein fundamentaler Unterschied! Falls Ihnen das nun etwas abstrakt vorkommt: Mit der 72er-Regel wird es konkret und anschaulich. Teilen Sie die Zahl 72 durch den Zinssatz, und Sie wissen, wie lange es dauert, bis sich Ihr Kapital verdoppelt. Bei einem Zinssatz von 6 Prozent ist die Verdoppelung also bereits nach 12 Jahren erreicht.

Lange Zeit galt eine Verzinsung von 4 Prozent als normal: So hoch war der Mindestzins auf dem Pensionskassenvermögen von 1985 bis und mit 2002. Auch die risikolosen Schweizer Bundesobligationen rentierten im Jahr 2000 noch mit 4 Prozent (siehe Grafik). Bis zur Verdoppelung Ihres Kapitals dauerte es somit 18 Jahre. Davon können wir heute nur noch träumen: Sukzessive sank der Zinssatz der Staatsanleihen auf 2 Prozent (Verdoppelungszeit 36 Jahre), dann auf 1 Prozent (72 Jahre) und inzwischen gar auf 0,1 Prozent.

Genau umgekehrt verläuft der Trend bei den Aktien. Die Dividendenrendite im Swiss Market Index ist seit 2000 von 1,5 Prozent auf 3 Prozent geklettert. Womit sich die Zeitdauer der Kapitalverdoppelung von 48 auf 24 Jahre halbiert hat. Das heisst, vom Zinseszinseffekt profitieren Sie heute nicht mehr bei den Obligationen, wie dies früher der Fall war, sondern bei den Aktien: Sie sind die neuen Zinspapiere.

Gewiss, um in Aktien zu investieren, benötigen Sie einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren. Denn kurzfristig können die Börsenkurse stark schwanken. Doch dank des jähr­lichen Dividendenertrags von 3 Prozent entsteht über die Zeit ein beruhigendes Reserve­polster. Als Aktionär können Sie sich auf den Lehrsatz, dass das Geld für Sie arbeitet, nach wie vor verlassen.

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Autor: Albert Steck