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12. Dezember 2016

Gefährlicher Jodmangel

Mit dem Rückgang des Salzkonsums ist die Jodversorgung schlechter geworden. Das kann vor allem für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder riskant werden.

der Rückgang des Salzkonsums
Seit den 1990er-Jahren verschlechtert sich die Jodversorgung. Hauptgrund ist der Rückgang des Salzkonsums. (Bild: Fotolia)

Seit 100 Jahren wird dem Speisesalz Jod beigegeben. Unser Körper braucht Jod, um das Schilddrüsenhormon Thyroxin zu produzieren. Nehmen wir zu wenig Jod über die Nahrung auf, vergrössert sich unsere Schilddrüse: Es bildet sich ein «dicker Hals», auch Kropf genannt. Früher war dieses Krankheitsbild in der Schweiz häufig anzutreffen.

Die Unterversorgung mit dem lebenswichtigen Spurenelement hat auch mit den Schweizer Böden zu tun, die arm an Jod sind. Darauf kultivierte Pflanzen, aber auch das Fleisch von Tieren, die damit gefüttert werden, enthalten nur wenig Jod.
Reich an Jod sind vor allem Fisch und Meeresfrüchte, aber auch Fleisch, Eier und Milchprodukte von Tieren, die ausreichend jodhaltige Nahrung gefressen haben.

Der «Kretinismus»

Für Erwachsene kann Jodmangel unangenehme Folgen haben und das Risiko für manche Krankheiten erhöhen. Bekommen hingegen Ungeborene nicht genügend Jod von der Mutter, kann ihre geistige und körperliche Entwicklung unwiderruflich gestört werden. Auch dieses «Kretinismus» genannte Krankheitsbild war in der Schweiz bis Anfang des letzten Jahrhunderts verbreitet. Danach verschwand die Krankheit.

Zu verdanken war dies einer Pionierleistung unseres Landes, der Jodierung des Speisesalzes, die in den 1920er-Jahren schweizweit eingeführt wurde. Bis heute sind die meisten Personen in der Schweiz auf Jodsalz angewiesen, um ausreichend mit dem Spurenelement versorgt zu sein. Bei schwangeren Frauen ist die Versorgung besonders wichtig.

Zu Unrecht als gefährlich verurteilt

Leider bekommt die Schweizer Erfolgsgeschichte Risse. Laut einer Studie mit Schwangeren wurde die Jodversorgung seit den 1990er-Jahren schlechter. Hauptgrund ist der Rückgang des Salzkonsums, vor allem von jodiertem Salz. Zudem warfen Falschaussagen vermeintlicher Experten ein schlechtes Licht auf das Thema Jod.
Zu Unrecht: Das deutsche Bundes­institut für Risikobewertung hat die Studienlage untersucht und kommt zum Schluss, dass von der heutigen Jodierungspraxis kein Gesundheitsrisiko ausgeht. 

Autor: David Fäh