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28. Juni 2015

Gartenzeit – Käferzeit

Sie sind überall, im Haus, im Weiher, in der Hecke, an Beeren, Blumen und Haselnüssen. Schillernd und gleissend, in wunderbaren Farben, metallisch grün, blau oder märchenhaft bunt.

GV der Gartenkäfer
GV der Gartenkäfer
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Der Lenz mit all seiner überbordenden Blütenpracht hat dem Sommer das Revier überlassen. Hoch am Himmel, zieht die Sonne bereits ihre Bahnen. Wenn die Fledermäuse über den Hecken kurven, und der Igel durchs Unterholz streift, erscheint es manchmal, als möchte am nahen Jura die Nacht, über den hellen Nordhimmel hinweg, bereits den Morgen begrüssen.
Libellen wurden als fliegende Edelsteine bewundert, die Schmetterlinge als Sonnenkinder besungen, bunte Schneckenhäuschen zu Kunstwerken erhoben. Die Wildbienen durften eigene Hotels beziehen und den Molchen und Fröschen im Teich hat man die Reverenz erwiesen. Holunder und Johanniskraut als Heilpflanzen gerühmt, Rüebli und Erbsli im Garten gehätschelt und gebibäbelet.
Nur das stolze Volk der Käfer wird kaum beachtet. Diese schillernden Rüstungsträger, die mit ihrem erstaunlichen Farben- und Formenreichtum unsere Gärten bevölkern. Haben sie nicht auch etwas Aufmerksamkeit verdient?
Einige von ihnen sind unschätzbar nützliche Helfer bei unseren Gartenarbeiten. Allen voran die Rosenkäfer und ihre Larven, als Kompostveredler. Grüngolden gleisst ihr ganzer Panzer in der Mittagssonne, wo sie über der blühenden Brombeerhecke summen. Schauen wir etwas genauer hin, ergibt sich ein merkwürdiges Bild, denn auch im Flug bleiben ihre metallisch blitzenden Flügeldecken geschlossen. Kein anderer Käfer beherrscht dieses Kunststück.
Eine bunte Truppe bilden die kleinen Marienkäfer. Die eifrigen, auffallend schön gefärbten Blattlausjäger mit ihren fein punktierten Deckflügeln, sind willkommene Gäste im Garten.
Weniger bekannt unter den Nützlingen sind die wendigen Kurzflüger. Einer der schönsten Vertreter unter ihnen ist der Uferräuber, der gelegentlich in Weihernähe zu finden ist. Kurzflügler sind Raubkäfer, die viele, für den Nutzgarten unerwünschte, Insekten und ihre Larven im Zaune halten.
Wenn die von der Katze liegen gelassene Spitzmaus auf mysteriöse Weise langsam im Boden versinkt, sind die Totengräber am Werk. Diese „Bestatter“, mit zwei auffällig orangeroten Querbinden auf den Flügeldecken, werden schon aus grosser Distanz vom Zersetzungsgeruch angelockt und beginnen dann mit der Aufräumarbeit. Die zur Familie der Aaskäfer gehörenden Insekten erfüllen damit eine wichtige Funktion im ewigen Kreislauf der Natur. Als Nebenbeschäftigung betreiben sie noch ein Taxiunternehmen. Gute Kunden sind kleine Schildkrötenmilben, die sich gerne von den grossen Käfern transportieren lassen, um neue Nahrungsquellen zu erschliessen.
Wird in der Hecke etwas trockenes Altholz stehen gelassen, ist auch der attraktive Widerbock nicht weit. Mit seiner wespenartigen schwarz- gelben Warntracht ist er auf verschiedenen Blüten, wie Weissdorn oder Bärenklau kaum zu übersehen. Seine Larven leben zwei Jahre im abgestorbenen Holz. Ihre verlassenen Bohrgänge können später von verschiedenen Wildbienen - und Grabwespenarten als Brutröhren benutzt werden.
Zugegeben, einige Mitglieder der Käferzunft gehören nicht unbedingt zum engeren Freundeskreis von Gärtnerinnen und Gärtner.
Türkenbund und Maiglöckchen sind die Lieblingsspeise vom Lilienhähnchen. Dieser leuchtendrote kleine Sechsbeiner ist schon früh auf seinen bevorzugen Futterpflanzen anzutreffen. Die auffällig orangerot gefärbten Larven haben eine etwas ausgefallene Tarnungsmethode entwickelt. Sie bedecken sich mit ihren eigenen Exkrementen und sehen dann aus wie Vogelkot der zufällig auf dem Blatt gelandet ist.
Im naturnahen Garten sorgt die Artenvielfalt der Bewohner, dass eine Gattung sich nicht übermässig vermehrt.
Beim Lilienhähnchen und seinen Verwandten sind das winzig kleine Erzwespen, welche die Eier der Käfer parasitisieren. So bleibt die Käferpopulation klein und ein paar angeknabberte Blätter gönnen wir ihnen gerne.

Eigentlich wollte ich schon immer wissen, wie denn all die Krabbler zu ihren Farben gekommen sind. Im wundervollen Buch von Sybille v. Olfers mit dem Titel„ Etwas von den Wurzelkindern“, fand ich diese aufschlussreichen Zeilen: „ Die Wurzeljungen unterdessen, haben auch nicht ihr Amt vergessen; mit Pinsel Bürste Farbentopf gehn sie den Käfern an den Schopf“. Ja, man hat eben nie ausgelernt!