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03. August 2015

Ein Prosit aufs Gärtnern

Gärtnern ist ein grossartiger Völkerverständiger. Das erlebt die Gartenbloggerin gerade wieder auf dem Campingplatz.

Blumenkisten auf dem Camping
Kein Gärtli zu klein, ein nationenverbindendes Thema zu sein!

Zurzeit sind wir mit dem Wohnmobil unterwegs. Wo? Irgendwo in Zentralfrankreich, dort, wo Météo-France gerade das schönste Wetter vermeldet. Übernachten tun wir meist auf Campingplätzen, das schulden wir unserem Sohnemann, der abends gern ein paar Ribérys oder Pogbas für einen Tschutimatch um sich schart.
Das Ritual ist immer das gleiche: Einchecken, Platz suchen, Sohnemanns Velo abladen, und weg ist er, Lage peilen oder – wie er es nennt –, «ausspionieren». Wenn dann das Wohnmobil optimal ausgerichtet («Wo ist nochmals Süden?»), die Sonnenstoren ausgerollt, der Kühlschrank an den Strom gehängt und Tisch und Stühle installiert sind, ist Frau Bohnebluescht dran mit Lage peilen oder – um beim Wording von Sohnemann zu bleiben –, «ausspionieren».
Anders als dieser will ich aber nicht wissen, ob es eine Hüpfburg, eine Kletterwand oder, wie auf dem vorletzten Campingplatz, nur einen kaputten Pingpongtisch gibt. Mich interessiert viel mehr, was der Campingplatz botanisch zu bieten hat. Damit meine ich nicht etwa die Bäume, unter denen sich all die Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile tummeln (aktuell glaubs Scheinakazien), sondern vielmehr das, was auf den Parzellen der Dauercamper wächst.
Auf vielen Zeltplätzen gibts nämlich nicht nur die Zugvögel, wie wir welche sind, sondern auch Standvögel, also jene, die hier mit Kind und Kegel den ganzen Sommer verbringen. Respektive mit Hängegeranien und Kletterrosen, Peterli und Schnittlauch, Gummibäumen und Kakteen, Tomaten in alten Olivenölbüchsen und Zucchetti in noch älteren Autopneus. Ja, selbst vier Palettenrahmen-Hochbeete um einen Wohnwagen versammelt hab ich schon gesehen, aber – zum Glück – kaum Gartenzwerge.
All das wird dann mit so viel Verve gehegt und gepflegt, dass es eine wahre Freude ist. Was aber noch viel mehr Freude macht, ist die Tatsache, dass all das, was da grünt und blüht, zur Völkerverständigung beiträgt. Einem herzhaften «Qu’elles sont belles ces roses!» hat nämlich noch kein französischstämmiger Garten-, äh, Wohnwagenbesitzer widerstehen können, mag meine Aussprache noch so «fédéral»-mässig sein!
Wie gesagt, ein herzhaftes «Qu’elles sont belles ces roses!», und schon ist man mitten im schönsten Gespräch über den Sinn respektive Unsinn des Guillotinieren der Rosen (von den Königen hierzulande gar nicht zu reden), über die Verträglichkeit respektive Unverträglichkeit von Peterli und Schnittlauch, übers Morgen- respektive Abendgiessen und alle möglichen (und unmöglichen) Tricks, der Schneckenplage Herr zu werden (die Franzosen essen sie ja, aber halt leider nur die mit Hüsli). Und falls es so läuft wie vor zwei Tagen, stossen ich, mein Herzensmann und unsere noch kennenzulernenden neuen Gartenfreunde heute Abend bereits mit einem «1664» an (nein, die Franzosen trinken nicht nur Wein oder Pastis, sondern auch Bier), während unsere Kinder gemeinsam Fussball spielen.
Und drum muss ich jetzt los, ausspionieren!
PS: Für den englischsprachigen Raum bietet sich übrigens ein «such beautiful roses!» an, in Italien funktioniert ein «che belle rose!», in Spanien ein «que rosa hermosa!» und in Holland ein «wat voor mooie rozen!». Und für die, die in Kroatien Ferien machen, tuts ein «Kako divne ruže!». Packt einfach genug Bier ein!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger