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05. August 2013

Gärtnern mit Nebenwirkungen

Gärtner leben gefährlich: Das musste die «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin am eigenen Leib erfahren. Neben ganz viel Spott.

Die Hacke des Unglücks.

Unterdessen kann ich es sagen, ohne gleich schmerzlich das Gesicht zu verziehen: Ich habe mir kürzlich beim Gärtnern dermassen blöd den obersten Halswirbel verrenkt, dass ich vier Tage später in den Notfall rein- und mit einer Halsmanschette wieder rausmarschiert (oder doch eher -geschlichen) bin.

Da sich besagte Halsmanschette naturgemäss recht offensichtlich um meinem Hals schlingt, habe ich folgenden Dialog seither gefühlte 99 Mal geführt:

«Was? Beim Gärtnern? Das ist jetzt aber ein Witz, oder? HAHA!»
«Nein, leider nicht.»
«Und wie kriegt man so etwas (wahlweise) Blödsinniges / Dämliches / Bescheuertes hin?»
«Beim Jäten, mit einer hundskommunen Hacke, irgendwo zwischen Fenchel und Kopfsalat.»
«Und warum landet man dann gleich auf dem Notfall?»

Tja, warum? Weil eine Gärtnerin keinen Schmerz kennt – bis zu dem Moment, wo trotz einer heftigen Ponstan-Dröhnung dann doch nichts mehr geht. Dass das dann an einem Sonntagmorgen war, wenn jeder Hausarzt zu Hause ist, war reines Künstler- respektive Gärtnerpech.

Gärtnerpech bringt Halsmanschette
Gärtnerpech bringt Halsmanschette.

Wie auch immer: Den körperlichen Schaden habe ich unterdessen dank Spritzen, besagter Halsmanschette und Physio einigermassen überwunden, an den seelischen Spätfolgen knabbere ich noch.

Seelische Spätfolgen? Jawohl, seelische Spätfolgen! Denn wäre ich beim Fallschirmspringen in einem Baum gelandet oder beim Mountainbiken aus der Kurve geflogen, dann hätte man mich sogar ein bisschen für meine Tollkühnheit bewundert. So aber ernte ich nur Spott und Hohn. Erstaunlicherweise grinsen aber jene am unverblümtesten, die anschliessend ihrerseits selber mit einer blutrünstigen Geschichte aus ihrem Hobbygärtnerleben aufwarten.

So beispielsweise Kollega H., der vor rund 20 Jahren mit einer – O-Ton – «Mörderwurzel» eines von ihm gefällten – O-Ton – «Riesenbaums» kämpfte. Nach einem gewaltigen Hauruck («Ich han zerrt wie en Dubbel») seinerseits riss sie dann. Die Folge: eine vermurkste Bandscheibe, die sich auch heute noch immer wieder meldet, wenn er am nächsten Grümpelturnier teilnimmt.

Martialisch mutet auch die Geschichte von Kollega M. an: Dieser begab sich in den letzten Sommerferien mit einem Fadenmäher bewaffnet in seine Brombeerhecke, um dort (O-Ton) «endlich mal für Ordnung zu sorgen». Er vermurkste sich zwar nichts, trampelte aber mit seinen Flipflops (!) auf einen (O-Ton) «Mordsdornen». Seine Ausbeute: eine Blutvergiftung, die ihn dann (O-Ton) «leider für den Rest der Ferien in den Liegestuhl zwang».

Apropos Dornen: Hübsch ist auch die Geschichte von Kollega I., der sich beim Rosenschneiden einen Dorn im Daumen einfing. Okay, das tönt jetzt noch nicht wirklich dramatisch. Doch wanderte besagter Dorn dann unter der Haut peu à peu in Richtung Herz. Bevor es zum «Allerschlimmsten» kam, wurde in der «allerallerletzten Sekunde» medizinisch eingegriffen.

So gesehen war mein Unfall tatsächlich nur ein Zwischenfall. Das nächste Mal werde ich darum dafür besorgt sein, dass ich mich wenigstens mit der Ambulanz – notabene mit Blaulicht – aus meinem Gartenbeet abtransportieren lasse.

Haben Sie auch schon mit Mörderwurzeln und Mordsdornen gekämpft? Was haben Sie bei der täglichen Gartenarbeit für Blessuren davongetragen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen mit anderen Gartenfreunden in einem Kommentar mit, oder erstellen Sie mit Anleitungen, Tricks und Fotos aus Ihrem Garten einen eigenen Artikel (Infos zu beidem siehe rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger