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26. November 2012

... über Leistungsdruck, Normalität und Lügen

Was die Sexberaterin Caroline Fux und die Sexual- und Psychotherapeutin Ines Schweizer im Interview zu weiteren konkreten Themen meinten.

Ines Schweizer und Caroline Fux
Sexual- und Psychotherapeutin Ines Schweizer und Sex-Beraterin Caroline Fux.


Sex sei dann gut, wenn man sich im Augenblick verlieren könne, schreiben Sie.

Schweizer: Wenn man sich ausserhalb vom Liebesleben verlieren kann, kann mans auch im Bett. 80 Prozent meiner Patienten fällt genau das schwer. Das lässt sich aber üben, mit Dingen, die einem Freude machen, beim Musizieren, beim Reden, beim Einkaufen. Es geht allerdings nicht von heute auf morgen.

Fux: Und nicht jeder Maler ist ein Picasso, das muss man ehrlich sagen. Nicht jedem ist Sex wichtig, nicht alle sind gleich talentiert, und nicht alle können ständig bombastischen Sex haben. So ist das Leben.

Das Gut-sein-Wollen und der Leistungsdruck sind aber Dinge, die einen am Genuss hindern.
Wie befreit man sich davon?


Fux: Man muss sagen: «Für mich stimmt das, was ich habe.» Meist ist man ja zu zweit und somit auch gemeinsam verantwortlich.
Idealerweise findet man zu einem «Für uns stimmts» zusammen.

Sie schreiben in Ihrem Buch auch, dass die Menschen bei Umfragen über Sex lügen, selbst wenn sie anonym sind.
Warum?


Schweizer: Weil der Mensch nun mal die Tendenz hat, sich selber zu belügen.
Die Frage ist bloss, wie weit bringt einen das? Weiter kommt man so sicher nicht.

Welches ist denn nun die normale Frequenz pro Woche?

Schweizer: Normal gibt es nicht.

Fux: Die Frage mag spannend sein, aber die Antwort ist nicht relevant.

Aber man will ja wissen, bin ich normal?

Fux: Ja, aber es gibt kein Normal und Nicht-Normal.
Die Frage ist: Was gehört zu mir? Was will ich, was stimmt für mich?
Mit «normal» kann ich mir am Kiosk gar nichts kaufen.

Autor: Yvette Hettinger

Fotograf: Nathalie Bissig