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24. Oktober 2011

Furchtbare Angst

Dunkle Keller, Gewitter, Erdbeben, Atomkraftwerke, Spinnen oder enge Räume: Millionen von Menschen fürchten sich vor irgendetwas. Meist unbegründet. Bestimmt die Angst aber unser Leben, müssen Massnahmen ergriffen werden.

Angst
Die Angst vor Spinnen ist weit verbreitet: Rund 40 Prozent der Menschen leiden unter einer Arachnophobie. (Bild: Fotolia)

Millionen von Menschen fürchten sich vor Spinnen. Sie haben eine Arachnophobie, «die häufigste aller Phobien», sagt Daniel Hell (67), Leiter des Kompetenzzentrums Depression und Angst in der Privatklinik Hohenegg in Meilen ZH. «Damit kann man aber leben.» Und vor allem ist man in guter Gesellschaft. Umfragen legen nahe, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Menschen sich vor Spinnen fürchten.

Grundsätzlich etwas Gutes

Kein Grund, sich zu schämen, denn Angst ist grundsätzlich etwas Gutes. «Angst warnt vor Gefahren», so der Psychiater. «Sie führt zu grösserer Wachsamkeit, zu vermehrter innerer Anspannung und zur Beschleunigung des Herzschlags und der Atmung. » Dadurch bereitet sich der Organismus darauf vor, schnell zu reagieren oder zu flüchten.

Doch dieser sinnvolle Urmechanismus kann sich auch ins Negative kehren. Dazu Daniel Hell: «Wenn kein realer Anlass zur Angst besteht und sie einen Menschen nicht mehr loslässt, auch wenn die Gefahr vorüber ist.» Das verhindert eine realistische Auseinandersetzung mit der alltäglichen Lebenssituation. Auf Dauer macht das krank, denn Angstreaktionen sind anstrengend. «Permanente Furcht verspannt die Muskulatur und kann zu schmerzhaften Beschwerden im Nacken und Rücken oder einem beklemmenden Druckgefühl im Bauch führen», erklärt Hell. Auch Zittern, Übelkeit und Erbrechen treten auf. Studien belegen, dass ängstliche Menschen gar ein grösseres Herzinfarktrisiko haben.

Medikamente sind nur selten wirklich nötig

Gründe genug, also etwas gegen übertriebene Ängstlichkeit zu tun. «Steigern sich diese Ängste zu Panikzuständen, ist eine Psychotherapie ratsam», sagt der Psychiater aus Erlenbach ZH. «Manchmal gepaart mit beruhigenden und antidepressiven Medikamenten.» Meist genüge jedoch eine Verhaltenstherapie, während der ein phobischer Mensch lernt, der Angst standzuhalten. «Dabei ist die Erfahrung, dass die Angst wieder abklingt, hilfreich und heilsam.»

Autor: Thomas Vogel