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08. August 2016

Fundbüro

das Fundbüro
Leider hilft es fürs Wiederfinden verlorener Kinderschätze selten: das Fundbüro (hier in der Version der Landesausstellung 1939 / Bild: Keystone).

Als meine Töchter noch kleiner waren, fiel es mir deutlich leichter, unseren Hausrat zusammenzuhalten. Da hatten wir nämlich noch diese kleinen Aufkleber, die wir konsequent auf alles pappten. Dieser Nuggi gehört – Sticker – Ida Leinenbach. Die roten Gummistiefel sind im Privatbesitz von – Sticker – Eva Leinenbach.
Meine Mutter schenkte uns mal ein Sandförmchen-Set mit den Buchstaben von A bis Z. (Jaaa, was für ein bizarres Geschenk für eine Dreijährige, aber das ist ein anderes Thema...) Wieder 26 Klebeschilder weg. Im Laufe der Jahre fanden die Mädchen meinen Stickerwahn nur noch peinlich. Ich verstehe das. Zumal ich auf meiner Handtasche auch kein pinkfarbenes Kleberli mit der Aufschrift «Bettina» samt Käferbildchen habe.

Seit wir aber dazu übergegangen sind, die Waren nicht mehr anzuschreiben, gibt es einen massiven Schwund. Vor allem meine Grosse scheint sich auf das Verlieren von Sachen spezialisiert zu haben. Da sie sonst sorgfältig ist, muss das irgendwie entwicklungsbedingt sein.
Dazu passt, dass es in ihrer Schule an vier (!) unterschiedlichen Stellen Aluminium-Container gibt, in die die Fundsachen wandern. Immer, wenn ich das Kind abhole, wühle ich mich noch schnell durch verschwitzte Turnhosen, Schirme und Stinkesocken. (Kleiner Tipp: NIEMALS die Znüni-Böxli in der Fundkiste öffnen!) Einmal suchte ich beispielsweise eine Badekappe – und fand eine verloren geglaubte Sonnenbrille wieder. Yes!

Da meine Kinder ihre Sachen grundsätzlich lieber ausserhalb des Schulgeländes verlieren, kann ich aber erfahrungsgemäss 95 Prozent der Dinge abschreiben. Meine Freundin Caro hatte hingegen Glück. Sie war neulich im Gemeindezentrum zum Sommerbasteln – und fand dort die Winterkappe, die ihr Sohnemann beim Kerzenziehen im November «vergessen« hatte. Vielleicht gibt es auch so etwas wie einen Sachen-Kreislauf. Man verliert, und dafür findet man was Neues.
Manche Sachen will ich ehrlicherweise gar nicht mehr zurück. Als Eva ihre heiss geliebten Ballerinas (von denen alle Pailletten abgefallen waren und deren Futter wie Mumienbinden herabhing) am Klettergerüst stehen liess, sagte ich nichts. Und als dann später das grosse Suchen begann, schwieg ich weiter. Ich kann echt nur hoffen, dass kein Kind die Edelflitzer gefunden und adoptiert hat. Die armen Eltern!

Autor: Bettina Leinenbach