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01. Mai 2017

Für immer «Blue Bayou»

Heeidi, Heeeeidi, deine Welt ...
«Heeidi, Heeeeidi, deine Welt sind die B-e-er-ge …»

«Heeidi, Heeeeidi, deine Welt sind die B-e-er-ge …» Wie oft hat sie sich den ewigen Refrain anhören müssen? Heidi hat mir ihr Leid geklagt. Und mir, dem «Liiribänz», dem «Grittibänz», tut es gut zu wissen, dass ich nicht allein bin mit einem Namen, der zu Sprüchen verleitet. Alles andere als allein!
Namen können wie Flüche auf einem lasten. Eine Paola leidet gleich doppelt: Erstens, weil sie dauernd mit der Gattin des «Teleboy» selig in Verbindung gebracht wird, der einstigen Sängerin Paola – Sie wissen schon: «Blue Bayou» –, zweitens und noch ärger, weil der Name dann getreu besagter Sängerin stets falsch ausgesprochen wird, mit langem o, «Pa-oooo-la», wo er im Italienischen doch auf dem a betont und wie «Paula» ausgesprochen werden müsste.

Bänz Friedli (52)
Bänz Friedli (52) hat sich an Verhunzungen gewöhnt. (Bild: Vera Hartmann)

Dabei dachten die Eltern, als sie sie tauften, eben gerade nicht an Pa-oooo-la. Anders bei Sylvie. Ihre Eltern haben sie sehr wohl nach «la Vartan» benannt, der Blonden mit der Zahnlücke. Aber wer erinnert sich an Chansons wie «Qu’est-ce qui fait pleurer les blondes»? Da muss man schon fortgeschrittenen Alters sein. Unsere Sylvie hat ein anderes Problem: dass es im Bernbiet für ihren Namen allerhand Verhunzungen gibt, dreizehn hat sie gezählt, von «Silä» bis «Siuvälä».
Die Berner sind diesbezüglich unverbesserlich. Ist ein Name kurz – sagen wir: Pia –, wird er verlängert: «Pilä», «Piaale». Ist er lang, wird er verkürzt, aus Hanspeter wird Hämpu. Und eingebernert wird ohnehin: Den Jean-Pierre machen sie zum Schämpu, und der YB-Spieler Godfried Aduobe aus Ghana war alsbald «dr Ghana-Gödu». Jegliche Annemarie wird zur Migge, zur Müngge …
Wenigstens muss sie sich dann nicht mehr das klagende Geheul aus dem Film «Dällebach Kari» anhören: «Aaaannemariiie …!»

Eine «Ü-50-Kolumne» hätte ich mal wieder geschrieben, befand Tochterherz letzte Woche. Das Schmusegesangspaar Al Bano & Romina Power war ihr kein Begriff, folglich käme sie beim Namen Romina auch nicht auf Gedanken. Umgekehrt sind manche Namen verschwunden, die zu Assoziationen Anlass gaben: «Wer tauft heute noch Vreni, Heidi, Bänz?», fragte mich eine Vreni, die sich ein Leben lang Sprüche über «ds Vreneli ab em Guggisbärg» und das Vreni aus «Uli der Knecht» hat anhören müssen – und dann hiess ihre erste Liebe erst noch Ueli! «Unsere Namen sterben aus», befand sie.

Mag sein, liebe Vreni. Aber ich versichere dir, auch die Mias, Leandros und Alinas unserer Tage werden dereinst verhunzt. Solcherlei Wortspiele liegen in der Natur des Menschen. Herzlich grüsst, der Bäise, Bäne, Beno, Bänzu …  

Bänz Friedli live: Liestal, «Palazzo», 5. und 6. Mai

Die aktuelle Bänz-Friedli-Hörkolumne, gelesen vom Autor (MP3)
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Website: www.baenzfriedli.ch

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli