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13. Februar 2012

Für Frauenrentenalter 65, Gaskraft und Bahnausbau

Die Umfrageergebnisse zu den Themen Alters- und Energieversorgung sowie Verkehr sorgten für die eine oder andere Überraschung. migrosmagazin.ch stellt die wichtigsten Resultate zusammen.

ZWEI THEMEN VORAUS:
Die im Migros-Magazin vom 13. Februar 2012 breit diskutierte Ausländer- oder Migrationspolitik bezeichnen im Durchschnitt 20% als das politische Thema mit dem grössten Handlungsbedarf. In der Innerschweiz sowie in den Kantonen Bern und Aargau erscheint sie gar auf Rang eins.
Gesamtschweizerisch übertrifft sie jedoch mit 24% noch eine andere Sorge: Jene um die Armut, soziale Sicherheit und ungleiche Einkommensverteilung.Abgeschlagen dahinter folgen mit 7% die Energiepolitik und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz, mit 6% die Gesundheitswesen sowie der Umweltschutz, mit 5% die Kriminalität, mit 4% die Kosten der Sozialwerke, ausgeglichene Staatsfinanzen, Bildung/Forschung, Familienpolitik und Arbeitslosigkeit. Auf bloss 3% kamen die Beziehungen zur EU, gerade noch auf 1% die Armee.

Auf die Frage, ob sie mit der Schweizer Politik allgemein zufrieden seien, antworten 44% mit (eher) Ja, 48% mit (eher) Nein. Die vorbehaltlosen Nein sind mit 12% gegenüber den uneingeschränkten Ja (4%) jedoch klar stärker vertreten.

Altersvorsorge: Gleiches Rentenalter für Frauen

DIE RESULTATE:
A. Grundsätzlich halten je ein Drittel die Rente für sicher, unsicher oder sie haben keine feste Meinung dazu.
B. Von 2009 bis 2011 erhöhte sich der Anteil jener, welche die betroffenen Einzelpersonen als primär verantwortlich für ihre Altersvorsorge sehen um 7% auf nunmehr 47%.Genau gleich viele (gegenüber 2009 9% weniger) sehen den Staat in dieser Rolle.
C. Nur noch eine knappe Mehrheit ist mit 39% gegen 37% dafür, zur Sicherung der AHV die Beiträge zu erhöhen.Noch 2009 waren es 48%. Dafür steigt der Anteil der Unentschlossenen auf 24%.
D. Eine Rentenkürzung verwerfen gleich 84% der Befragten, 2009 waren es noch 75%. Gerade noch 5% sprechen sich dafür aus.
E. 32% befürworten eine generelle Erhöhung des Rentenalters, 51% sind dagegen. Allerdings widerspricht diese Antwort teilweise den Ergebnissen unter G und H.
F. 36% wären bereit, später in Rente zu gehen, um diese zu sichern. Für 41% ist dies keine Option.

41% sind für das Frauenrentenalter 65.
41% sind für das Frauenrentenalter 65.

Die TeilnehmerInnen konnten bei der Vimentis-Umfrage auch ihr gewünschtes Pensionsalter für beide Geschlechter getrennt festlegen.
G. Entgegen letzten Abstimmungen, die keine Mehrheit für eine Anhebung des Rentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre an den Tag brachten, stimmten nun 41% für 65 Jahre, total gar 69% für 65 oder noch später.

Die Teilnehmen votierten (im Uhrzeigersinn) für die Pensionierung der Frauen …
mit 65 Jahren: 41%
mit 64 Jahren: 18%
mit 63 Jahren: 10% (oder früher)
… weiss nicht: 3%
mit 68 Jahren: 5% (oder später)
mit 67 Jahren: 15%
mit 66 Jahren: 8%

H. Bei den Männern waren 51% einverstanden mit den momentan geltenden 65 Jahren, doch immerhin 35% stimmten zusammengezählt für ein höheres Rentenalter. Zum Vergleich: Für Frauen hätten insgesamt 28% das Pensionsalter gar auf 66 Jahre oder später festgelegt.
I.72% sind im Prinzip einverstanden, dass Arbeitende in Jobs mit erhöhten körperlichen Anforderungen früher in Rente gehen können, 16% nicht.
J. Bereits genau jeder Zweite will ein Modell der Lebensarbeitszeit anstelle eines fixen Pensionsalters einführen, 30% sind dagegen.

Energieversorgung: Sicherheit geht vor

DIE RESULTATE:
A. Die Schweizerinnen und Schweizer stellen die Ziele der Umweltverträglichkeit (53%) und der Versorgungssicherheit (36%) klar über den Strompreis (10%).
B. Um einen Stromengpass zu vermeiden, sprechen sich mit 47% zu 46% fast ebenso viele für Einsparungen im Verbrauch wie für eine erhöhte Produktion im Inland aus.
C. Die Bereitschaft, mehr für sauber produzierten Strom zu bezahlen, stieg in den letzten fünf Jahren. Nur noch 33% würden für Strom aus erneuerbaren Energiequellen genau gleich viel bezahlen, 44% wären mit einem Fünftel höhere Kosten einverstanden, weitere 18% gar mit mehr.
D.69% befürworten den Ausstieg aus der Produktion von Atomstrom.17% möchten die AKWs möglichst sofort abstellen, 52% die bestehenden bis zum Ende der Betriebsdauer nutzen, aber sicher nicht durch neue Anlagen (egal ob an alten oder neuen Standorten) bauen.

Atomkraft ist für fast jeden Zweiten die schlechteste Art der Stromproduktion.
Atomkraft ist für fast jeden Zweiten die schlechteste Art der Stromproduktion.

E.Beim Themenkomplex Energieversorgung und –sicherheit sticht als erstes das Resultat ins Auge, wenn nach dem schlechtesten Mittel gefragt wird, um den Strombedarf abzudecken. Der Atomstrom liegt hier mit grossem Abstand auf Platz 1, bloss noch 20% haben primär Mühe damit, Strom zu importieren. Und nur gerade 12% äussern am meisten Skepsis beim Bau und Unterhalt von Gaskraftwerken, selbst wenn mindestens grössere dieser Anlagen die CO2-Bilanz massiv verschlechtern und wenig klimaverträglich sind.
Welches ist die schlechteste Option bei Stromproduktion und –einkauf (im Uhrzeigersinn)?
12% Gaskraftwerke
17% staatlich verordnete Einsparungen
20% Importe
2% andere
4% neutral/weiss nicht
45% Atomkraftwerke

F.49% (gegenüber 39% Ja) stellen sich gegen eine neue 20-Prozent-Steuer des Bundes auf Strom, um damit den Stromverbrauch zu drosseln.
G. Immerhin schon 39% sind dafür, zugunsten der erneuerbaren Wasserkraft im Inland neue Stauseen zu bauen, mitunter in landschaftlich wertvollen Gebieten wie der Greina-Ebene. Allerdings bleibt der Nein-Anteil bei dieser Frage mit 42% noch immer leicht höher.

Verkehr: Schiene schlägt Strasse

DIE RESULTATE:
A. Da die Mobilität, die Anzahl der Verkehrsteilnehmer und jene der Fahrzeuge stetig zunehmen, stellt sich die Frage, ob und wie weit die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden müsste. Diese grundsätzliche Frage bejahen gleich 71% der Befragten, nur 12% sind dagegen.

Doppelt so viele wollen die Bahninfrastruktur ausbauen.
Doppelt so viele wollen die Bahninfrastruktur ausbauen.

B. Dass die Eisenbahn und generell der öffentliche Verkehr in der Schweiz ein weit besseres Image geniesst als der Privatverkehr, ist zwar nichts neues. Die Klarheit des Ergebnisses, auf welchem Gebiet der Staat denn mehr Geld in die Hand nehmen soll, ist dennoch überraschend: Praktisch doppelt so viele Befragte sprechen sich für die Schiene aus.

Wo soll der Schwerpunkt gesteigerter Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur liegen (im Uhrzeigersinn)?
59% bei der Bahn
30% auf der Strasse
11% weiss nicht/neutral

C.55% befürworten zuerst den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in den Agglomerationen, dazu kommen 6%, die sich prioritär für die Innenstädte aussprechen. 24% setzen die ländlichen Gebiete zuoberst auf die Liste.
D. Fast unverändert im Vergleich zu 2007 blieben die Ergebnisse zur Frage, ob den Städten erlaubt werden soll, Gebühren für die Benutzung ihres Strassennetzes durch Autos und Motorräder (von Auswärtigen) zu verlangen. 49% stimmten dagegen, 41% dafür.
E. Wie sollen die Mehrkosten für eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur bezahlt werden? Die Meinungen gehen stark auseinander, obenaus schwang mit 31% eine teurere Autobahnvignette, mit 24% folgt eine Benzinabgabe, mit 17% eine erhöhte Schwerverkehrsabgabe, 15% würden mehr aus den allgemeinen Steuereinnahmen abzweigen, 8% sind für andere Massnahmen.

Das Migros-Magazin ist Medienpartner von Vimentis.

Alle Umfragen liefert die Vimentis-Website

Autor: Reto Meisser