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08. April 2013

Für Familien durchgehend geöffnet

Mit einem ungewöhnlichen Türsystem wirbt der neue Ford B-Max um die Gunst von Familien. Ob mit Erfolg, prüft Leserfamilie Koglin im Test.

Eléna, Arnaud, 
Mario und Mattéo Koglin (von links) aus Zollikon mit 
dem Ford B-Max beim Ausflug an den Zürichsee.
Mit dem Van zum Veloplausch: Eléna, Arnaud, 
Mario und Mattéo Koglin (von links) aus Zollikon mit 
dem Ford B-Max beim Ausflug an den Zürichsee.

Wer aus der Masse der Familienautos herausstechen will, muss sich etwas Innovatives einfallen lassen. Ford setzt beim Microvan B-Max auf ein neues Türsystem. Hinten Schiebetüren, vorne Schwingtüren — ohne Türsäule dazwischen, was eine 1,55 Meter breite Öffnung ergibt. Für die Koglins aus Zollikon ZH, die 50'000 Kilometer jährlich zurücklegen, vielleicht eine Alternative? «Unsere Autos sind über zehn Jahre alt, weshalb wir ökologisch-preiswerten Ersatz für das grössere Auto suchen», sagt Mario Koglin (46).

«Das Design gefällt uns», eröffnet Eléna Koglin (42) die Beurteilung des 4,08 Meter kurzen B-Max, «und ebenso der praktische Parkpilot und das Multimediasystem: Das ist viel mehr als nur Radio.» Sohn Arnaud (10) ergänzt: «Ich kann das Handy koppeln, ohne es aus der Hand zu geben.» Papa Mario Koglin relativiert: «Die Gadgets sind prima, aber für 1,80 Meter grosse Lenker wie mich ist der Blick zum Tacho durch dessen Abdeckung blockiert.»

«Der Einstieg ist schön breit, vorne sitzt man luftig. Klappt man die hinteren Sitze um, kann man Ladegut bis 2,35 Meter Länge problemlos verstauen», lobt der Angestellte. Doch Arnaud kritisiert: «Die Sitze hinten sind zu hoch, auf dem Kindersitz stosse ich mit dem Kopf an die Decke.»

Kräftiger Kleiner, der aber einen über den Durst trinkt

«Für vierköpfige Familien ist auch der Laderaum recht klein», sagt Eléna. «Nicht mal der Schlitten unseres fünfjährigen Mattéo passt rein. Optionen wie Dachgepäck- und Veloträger auf der abnehmbaren Anhängerkupplung gleichen das nur teilweise aus.»

Zweischneidig fällt das Urteil zum «downgesizten» 1,0-Liter-Dreizylinder aus, der dem aktuellen Techniktrend folgend per Turbolader statt viel Hubraum 100 PS leistet. «Erstaunlich, wie spritzig er ist und wie gut er zieht. Nur die Geräuschkulisse ist gewöhnungsbedürftig», betont Mario Koglin. Doch wie bei so vielen kleinen Turbos enttäuscht der Verbrauch: Auf ihren 1100 Testkilometern verbrauchen die Koglins im Schnitt 7,4 l/100 km, zweieinhalb Liter mehr als vom Werk versprochen. «Es geht bei sehr sparsamer Fahrt auch unter sieben Litern, aber der hohe Schnitt enttäuscht mich schon», kritisiert Mario Koglin.

Toll kommt das Fahrwerk an: Der B-Max fährt sich behände, wendig und komfortabel. «Ausgewogen», findet Eléna Koglin. Kann sich die Familie vorstellen, den B-Max zu kaufen? «Als Ersatz für das Erstauto reicht uns das Platzangebot nicht», sagt Mario Koglin. «Daher nein. Als Zweitwagen oder für Kleinfamilien ist er aber eine gute Wahl.»

CO2-Richtwerte:

Der Verbrauch des Ford B-Max 1.0 EcoBoost.
Der Verbrauch des Ford B-Max 1.0 EcoBoost.

Der Verbrauch des Ford B-Max 1.0 EcoBoost: Im Jahr 2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Werts (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2013 einen Richtwert von 142 g/km. Der Testwagen liegt mit 114 g/km bereits sehr klar darunter.

Informationen zum Bewertungssystem

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Seit 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die seit dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert wurden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 mussten ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 müssen ihn dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011 (die Werte für 2012 liegen noch nicht vor). Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa aktuell 142 Gramm pro Kilometer für 2013. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen