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28. Dezember 2015

Für die Altersvorsorge sparen?

Was bedeutet der gegenwärtige «Zinswahnsinn» für die Sparer? Am deutlichsten zeigen sich die Folgen bei der Altersvorsorge.

Sparen lohnt sich immer weniger
Sparen lohnt sich immer weniger.

Was passiert, wenn es keinen Zins mehr gibt? Noch vor Kurzem hätte man eine solche Frage als «wahnsinnig» abgetan. Inzwischen ist es Realität: Die Zinsen sind weltweit entweder extrem niedrig oder gar negativ. Was das effektiv bedeutet, ist vielen Leuten zu wenig bewusst.
Erstens kommt es zur paradoxen Situation, dass der Staat mit dem Schuldenmachen Geld verdienen kann. Neben der Schweiz gilt das bereits für zahlreiche andere Länder in Europa. Zweitens verliert der Zins seine Steuerungsfunktion. Diese sorgt nämlich dafür, dass das Kapital in Investitionen fliesst, welche zukünftig einen Mehrwert schaffen können. Ohne eine solche Lenkung dagegen versickert das Geld in nutzlosen Projekten. Und drittens hat der Wegfall der Zinsen zur Folge, dass sich das Sparen nicht mehr lohnt.

Was das konkret heisst, möchte ich anhand der Mindestverzinsung in der beruflichen Vorsorge aufzeigen. In der 2. Säule haben Herr und Frau Schweizer ein Vermögen von 800 Milliarden Franken angespart – es geht also um enorme Summen. Während Jahren, von 1985 bis 2002, wurde ­dieses Geld mit 4 Prozent verzinst. Dank dem Zinseszinseffekt konnte man sein Vorsorgekapital somit innerhalb von 18 Jahren verdoppeln, wie auch die Grafik (oben) verdeutlicht. Über das gesamte Berufsleben hinweg konnte man sein Erspartes sogar vervier­fachen. Sank der Zins von 4 auf 3,5 Prozent, dann erhöhte sich die Verdoppelungsdauer nur geringfügig von 18 auf 20 Jahre – eine Differenz von zwei Jahren.

Welche Folge hat nun die aktuelle Senkung der Mindestverzinsung von 1,75 auf 1,25 Prozent per Anfang 2016? Die Zeitdauer, bis sich Ihr Kapital verdoppelt, erhöht sich damit von 40 auf 56 Jahre! Obwohl der Zins ebenfalls um 0,5 Prozent reduziert wird, beträgt der zeitliche Unterschied nicht mehr 2 Jahre wie im obigen Beispiel, sondern 16 Jahre.

Das zeigt: Je tiefer der Zins bereits liegt, desto brutaler wird die Auswirkung einer weiteren Zinssenkung.

Der Grund ist der fehlende Zinseszinseffekt. Albert Einstein wurde einst gefragt, welches die stärkste Kraft im Universum sei. Seine spontane Antwort lautete: «der Zinseszins». Auch die Zentralbanken, insbesondere die Europäische Zentralbank, ­sollten sich wieder einmal an diese Kraft ­erinnern. 

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«4 Milliarden Franken Ertragseinbusse in der 2. Säule».

Autor: Albert Steck