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19. März 2012

Frühlings-Freuden

Schneeglöcklein, Bienen und laue Lüftchen: Der Lenz ist da. Beherzt greifen die einen zum Schrubber, die anderen steigen aufs Motorrad. Es gibt viele Gründe, warum der Frühling Spass macht.

Thomas Widmer (50), «Tages-Anzeiger»-Wanderkolumnist: «Ich gehe ein- bis zweimal in der Woche durchschnittlich vier Stunden lang wandern.» (Bild: Siggi Bucher)

Thomas Widmer (50), «Tages-Anzeiger»-Wanderkolumnist

«Wir Wanderer werden beraubt. Der Winter nimmt uns vier Fünftel der Schweiz weg. Schnee ist Gehverhinderungspulver. Natürlich ist das schön, in den Bergen. Aber man muss aufpassen wegen der Lawinen, es ist kalt und einfach nicht das Gleiche. Zumal der Winter geruchlos ist. Jetzt bekommen wir alles zurück: Es riecht, es blüht, es zwitschert — und ich habe endlich wieder mehr Auslauf. Es ist eine langsame Rückeroberung. Jeden Monat kann man etwa 500 Meter höher hinauf, bekommt quasi ein Stück Schweiz zurück. Die Schneeglöckchen sind schon da und bald auch die Weidenkätzchen, auf die ich mich besonders freue. Ich gehe ein- bis zweimal in der Woche durchschnittlich vier Stunden lang wandern. Oft einfach als Alibi, um irgendwo fein zu essen. Es fühlt sich halt sehr viel besser an, wenn man zwei Stunden marschiert ist, bevor man in eine Saucisson vaudoise beisst und ein Glas Weisswein dazu trinkt.»

www.widmerwandertweiter.blogspot.com/

Beate Beckmann (47), Himmelrieder Chrüterhäx

Beate Beckmann (47), Himmelrieder Chrüterhäx. (Bild: Esther Michel)
Beate Beckmann (47), Himmelrieder Chrüterhäx. (Bild: Esther Michel)

«Ich freue mich immer wahnsinnig auf das erste Grün und sammle schon eifrig Pflanzen zum Essen. Zehn, zwölf Kräuter wie Brennnesseltriebe oder Bärlauch sind schon da — und eine grosse Bereicherung meines Speiseplans. Am meisten freue ich mich immer auf den Bärlauch. Ich könnte eine ganze Woche lang ausschliesslich Spaghetti mit Bärlauchpesto essen. Aber dann reicht es mir auch für den Rest des Jahres, und ich stelle ihn nur noch für den Verkauf auf dem Markt her. Es zeigen sich bereits die Spitzen des Wiesenschaumkrauts, das später lila blüht. Es ist wunderbar in Salat oder als Einlage in der Gründonnerstagssuppe, einem traditionellen Gericht, das vermutlich aus der Keltenzeit stammt. Die ersten sieben Kräuter — manche sagen die ersten neun — des Jahres, werden am Gründonnerstag als Suppe gegessen. Es heisst, dann werde man das ganze Jahr über nicht krank.»

Irina De Giorgi (22), Miss Earth Schweiz

Irina De Giorgi (22), Miss Earth Schweiz. (Bild: Siggi Bucher)
Irina De Giorgi (22), Miss Earth Schweiz. (Bild: Siggi Bucher)

«Jetzt kann ich über Mittag wieder im Pärkli in Zürich-Wiedikon zu Mittag essen. Das ist wahnsinnig gemütlich. Im Juni geht mein Amtsjahr zu Ende, darum wollte ich die positive Stimmung im Frühling nutzen, um noch ein grosses Anliegen zu realisieren. Am 5. Mai organisiere ich am Pfäffikersee einen Sponsorenlauf zugunsten herzkranker Kinder. Das ist mir besonders wichtig, weil mein kleiner Bruder einen schweren Herzfehler hat. Ich bin ziemlich sportlich und freue mich, dass ich draussen wieder inlineskaten, Nordic Walking machen und Velo fahren kann. Jetzt ist auch die Zeit, die dicken Winterpullis und schweren Schals zuhinterst im Schrank zu versorgen und endlich meine neuen Ballerinas mit den bunten Blumen drauf anzuziehen.»

Maja Brunner (60), Sängerin, Schauspielerin und Entertainerin

Maja Brunner (60), Sängerin, Schauspielerin und Entertainerin. (Bild: Esther Michel)
Maja Brunner (60), Sängerin, Schauspielerin und Entertainerin. (Bild: Esther Michel)

«Gut schweizerisch mache ich jetzt den Frühlingsputz. Das wirkt nicht nur aussen, sondern auch innen. Altes kommt raus, Angestaubtes wird poliert und geschrubbt, und während ich putze, werden Kopf und Herz frei. Meine Putzwut setzt ein, sobald es draussen warm wird. Dann nutze ich die freien Tage zwischen Auftritten im Musical ‹La Cage aux Folles› im Bernhard-Theater und meinen Gala-Shows. Eines musste ich in den letzten Jahren aber lernen: nicht den ganzen Frühjahrsputz auf einmal machen zu wollen. Davon bekommt man bloss Muskelkater. Teilt man die Reinigung in kleine Portionen ein, reicht die Zeit noch für eine Tasse Kaffee am See.»

Olivier Pagan (49), Direktor des Zoologischen Gartens Basel

Olivier Pagan (49), Direktor des Zoologischen Gartens Basel. (Bild: zVg. Zoo Basel)
Olivier Pagan (49), Direktor des Zoologischen Gartens Basel. (Bild: zVg. Zoo Basel)

«Letzten Sonntag hatten wir fast 3000 Besucher. Ein sicheres Zeichen, dass die Leute nach dem sehr kalten Winter wieder raus wollen. Auch die Tiere spüren den Frühling. Bereits sind unsere ‹blinden Passagiere› zurück: 18 Storchenpaare haben ihren Horst bezogen. Die Jungen schlüpfen im Mai, und wir hoffen, dass uns der Frühling dann tatkräftig unterstützt. Lange Regenperioden sind ungesund für die Brut. Die Eltern sind nass und beschützen zwar die Jungen im Nest, füttern sie aber zu wenig. Im Zoo gibt es das ganze Jahr über Nachwuchs, oft lustige Kombinationen. Die Zwerggeissen zum Beispiel werden synchron brünstig und bekommen dann gleichzeitig ihre Zicklein. Vor zwei, drei Wochen kamen die ersten, und bis Ostern wird eine Geburt der anderen folgen. Dieses Jahr haben wir noch eine weitere Frühlingsüberraschung: Am Valentinstag wurden zwei goldgelbe Löwenäffchen geboren.»

Elvira Kindlimann (52), Astrologin im Team von Madame Etoile

Elvira Kindlimann (52), Astrologin im Team von Madame Etoile. (Bild: Esther Michel)
Elvira Kindlimann (52), Astrologin im Team von Madame Etoile. (Bild: Esther Michel)

«Zurzeit steht am Abendhimmel eine ungewöhnliche Jupiter-Venus-Konstellation. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern löst auch zuversichtliche Gefühle aus und Vertrauen in die Zukunft. Ansonsten zeigen sich die Sterne diesen Frühling eher von der schwierigeren Seite: Mars und Merkur sind jetzt schon rückläufig und im Juni auch noch die Venus. Da tauchen alte Geschichten oder ehemalige Liebschaften wieder auf — was aber nicht zwingend negativ sein muss. Es ist eine gute Zeit, um Konflikte zu bewältigen und Vergangenes nochmals zu besprechen. Der Frühling weckt jetzt sowieso die Lebensgeister und versetzt alle Leute in Flirtstimmung. Sterne hin oder her: Ich selber schaue mir auch oft und gerne den Nachthimmel an. Und zwar ganz ohne astrologische Gedanken, sondern einfach mit romantischen Gefühlen.»

Erwin Wyrsch (65), Gründer des Love Ride Switzerland

Erwin Wyrsch (65), Gründer des Love Ride Switzerland. (Bild: Gerry Nitsch)
Erwin Wyrsch (65), Gründer des Love Ride Switzerland. (Bild: Gerry Nitsch)

«Nun ist es endlich wieder mild genug, um ein angenehmes Ausfährtli zu machen. Wegen meiner Rückenprobleme kann ich leider nur noch etwa 2000 Kilometer im Jahr fahren. Immer dabei bin ich am Love Ride, einer Benefizveranstaltung für Menschen mit Behinderung. Im Frühling kontrolliere ich bei meiner Harley Davidson Dyna Wide Glide Luftdruck, Ölstand sowie Bremsklötze und schaue genau, ob irgendwo etwas lottert. Viele Leute sitzen, wenn es warm wird, einfach auf und brausen los — und wundern sich dann, wenn etwas kaputtgeht. Gerade bei einem Motorrad ist die Kontrolle enorm wichtig, sonst kann es schnell gefährlich werden. Die Reparaturen mache ich aber nicht selber. Ich sitze lieber in meinem Garten in der Sonne.»

Autor: Ruth Brüderlin