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12. November 2012

«Früher trugen Männer Toupets, heute lassen sie sich Haare transplantieren»

Ralph M. Trüeb war Initiant der Haarsprechstunde am Universitätsspital Zürich, heute leitet er die eigene Haarpraxis in Wallisellen ZH. Der Professor weiss, warum Haare ausfallen, was dagegen hilft und was nicht.

Ralph M. Trüeb war Initiant der Haarsprechstunde am Universitätsspital Zürich, heute leitet er die eigene Haarpraxis in Wallisellen ZH.
Ralph M. Trüeb war Initiant der Haarsprechstunde am Universitätsspital Zürich, heute leitet er die eigene Haarpraxis in Wallisellen ZH.

Ralph M. Trüeb, wann muss man sich ernsthaft Sorgen machen um sein Haar?

Wenn man das Gefühl hat, dass wesentlich mehr Haare als üblich ausfallen. Und wenn der Coiffeur darauf hinweist, dass das Haar ausdünnt. Ich mag diese «Mehr als 100 Haare»-Regel nicht. Denn wenn jemand einen sehr dichten Haarschopf hat, dann sind 100 Haare wenig. Bei geringer Kopfbehaarung sind 100 Haare viel. Zudem kann vermehrter Haarausfall auch saisonal bedingt sein, zum Beispiel im Herbst.

Welche Methoden gibt es, um Haarausfall und dessen Ursachen festzustellen?

Nebst klinischer Untersuchung und einer Analyse mit einem stark leuchtenden Mikroskop zur Bestimmung der Haarqualität kann mit einem Trichogramm, bei dem man über der Stirn einige Haare mit einer Klemme ausreisst, quantitativ überprüft werden, wie viele Haarwurzeln sich in der Ruhe- respektive in der Wachstumsphase befinden. Insbesondere bei diffusem Haarausfall kann zusätzlich eine Blutuntersuchung Aufschluss geben, ob zum Beispiel ein Eisenmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt; beide sind häufige Ursachen von Haarausfall.

Gehen Männer anders mit Haarproblemen um als Frauen?

Grundsätzlich sind mehr Männer von Haarausfall betroffen als Frauen. Aber Frauen leiden stärker darunter. Sie gehen deswegen auch öfter zum Arzt.

Sind Trends erkennbar im Umgang mit Haarverlust?

Waren früher bei Männern Toupets die erste Wahl, werden heute zu­nehmend Haare transplantiert. Viele Männer mit Haarverlust schneiden auch die Haare kürzer und integrieren den Haarmangel in ihr Styling. Bei den Frauen sind Haarteile oder Extensions sehr gefragt. Das ist eine ideale und höchst effektive Art, dem eigenen Haar mehr Dichte zu geben.

Was halten Sie von den Werbeversprechungen, dass zum Beispiel spezielle Shampoos die Haare wieder spriessen lassen?

Von diesen Versprechen darf man nicht viel erwarten. Die Wasserverdünnung und die kurze Einwirkzeit von Shampoos machen einen Effekt hinsichtlich Haarwachstum unwahrscheinlich. Shampoowirkstoffe wirken auf die Kopfhaut, zum Beispiel zur Behandlung von Kopfschuppen, und auf den Haarschaft. Somit können Shampoos sehr wohl Volumen und Glanz verleihen und so das Haar etwas fülliger erscheinen zu lassen, was ihren Einsatz neben einer ursächlichen beziehungsweise medikamentösen Therapie von Haarausfall durchaus rechtfertigt.

www.derma-haarcenter.ch