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30. März 2015

Frühenglisch: Vor- und Nachteile

Sollen Schulkinder früh Englisch lernen, brauchen sie ein intensives Training. Sonst bleibt wenig haften, sagt der Experte Urs Maurer, Neurowissenschaftler an der Universität Zürich.

Frühenglisch
Kinder lernen Sprachen zwar leicht. Doch zwei bis drei Stunden pro Woche reichen nicht aus (Bild: Ute Grabowsky/photothek.net)

Ist es sinnvoll, wenn Kinder schon ab der zweiten Primarstufe eine Fremdsprache lernen? Darüber scheiden sich die Geister. Während die einen überzeugt sind, eine fremde Sprache lasse sich in jungen Jahren einfacher aneignen, finden andere, die Kinder sollten zuerst einmal das Deutsch richtig beherrschen.

«In jungen Jahren ist die Sprachlautverarbeitung im Gehirn besonders gut», sagt Urs Maurer, Professor für kognitive Neurowissenschaften am Psychologischen Institut der Universität Zürich. In einer breit angelegten Studie ging Maurer der Frage nach, was in den Köpfen der kleinen Schulkinder passiert, wenn sie eine Fremdsprache lernen.

Sicher ist: Bis ins Alter von sieben Jahren können Kinder eine Fremdsprache fast so gut aufnehmen wie die Muttersprache. Durch Messung der Hirnströme fand Maurer jedoch heraus, dass die Sprachverarbeitung im Gehirn nach einem Jahr Englischunterricht nicht besonders vorangeschritten war.

Besser mehrmals pro Woche lernen

Heisst das für die Schulen nun also wieder zurück auf Feld eins und erst ab der Mittelstufe mit Englisch und Co. beginnen? So, wie der Fremdsprachenunterricht in der Primarschule derzeit konzipiert ist – im Kanton Zürich etwa mit zwei Lektionen pro Woche –, können die neuronalen Mechanismen nicht greifen, sagt Urs Maurer.

«Die Sprachlautverarbeitung im Gehirn ist bei Kindern zwar besonders gut, doch dafür braucht es auch ein intensives Training.» Schulkinder, die mehrmals pro Woche einen lustvollen und spielerischen Umgang mit der englischen Sprache haben, lernen leichter.

Autor: Martina Gradmann