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28. Januar 2013

Früh übt sich …

Teure Frühkinderförderung ist überflüssig, besagt eine Studie der Universität Freiburg. Achten Mütter auf eine gute Sprache, kochen und spazieren mit ihren Kindern und kontrollieren deren Medienkonsum, so genüge das vollauf. Wie viel und welche Frühförderung betreiben Sie? Stimmen Sie ab (rechts).

Beste Form der Frühförderung
Die beste Form der Frühförderung: SIch intensiv mit den Kindern beschäftigen. (Bild Getty Images)

Das Angebot ist enorm: Von musikalischer Frühförderung über Kleinkinderschwimmen bis Frühsprachkurse können Eltern ihren Sprösslingen heute alles ermöglichen. Im Raum Zürich gibt es gar Kindertagesstätten mit Talentfördergruppen. Nicht ganz billig — und vor allem überflüssig. Das zeigt eine soeben publizierte Studie der Universität Freiburg unter der Leitung von Margrit Stamm (62), emeritierte Professorin für Bildungsforschung und Leiterin des Instituts Swiss Education in Bern. Ihr Fazit: «Eine bildungsinteressierte Familie kann ihren Kindern alles Nötige bieten. Ganz einfache, kostengünstige Beschäftigungen nützen gleich viel wie teure Frühförderung.»

Das heisst konkret: Geben sich die Mütter — die Väter werden in einer Folgestudie betrachtet — intensiv mit ihren Kindern ab, achten auf eine gute Sprache, spielen, basteln, kochen und spazieren mit ihnen, lesen ihnen vor und kontrollieren den Medienkonsum, dann fördern sie ihre Kinder bereits optimal. Können Kinder auch mal mit Geschwistern oder Nachbarskindern draussen spielen, umso besser.

Wichtig ist: Familiäre und externe Betreuung müssen differenziert betrachtet und aufeinander abgestimmt werden. «Kinder aus gebildeten Mittelstandsfamilien brauchen keine teuren externen Frühförderungsmassnahmen. Für Kinder aus bildungsfernen Familien, vielleicht noch mit fremdsprachigen Eltern, sind solche Massnahmen zentral», erklärt Margrit Stamm.

So gesehen, sagt die Bildungsforscherin, entlaste die Studie viele Eltern: «Heute herrscht gerade bei Familien aus dem Mittelstand die Tendenz, in eine Art Wettbewerb mit Nachbarn oder Freunden zu treten, wer sein Kind besser fördert. Das ist nicht schädlich — aber oft unnötig.»

Autor: Claudia Weiss