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21. Mai 2013

Friedlichere Jugend

In den letzten Jahren ging die Jugendgewalt laufend zurück. Experten werten dies auch als Erfolg der Präventionsarbeit.

Feiern ohne Lämpen
Feiern ohne Lämpen: Die 
Gewalttätigkeit unter Jugend
lichen ist nach Jahren des 
Anstiegs nun rückläufig. (Bild: Keystone)

Seit 2010 ist die Jugendkriminalität stetig gesunken, 2012 etwa wurden im Vergleich zum Vorjahr ganze sieben Prozent weniger Strafurteile gegen Jugendliche ausgesprochen. «Hier zeigen sich die Früchte der vermehrten Präventionsarbeit», sagt Martin Boess (47), Geschäftsleiter der Schweizerischen Kriminalprävention. «Ursachen hinter der Jugendgewalt sind oft Langeweile und das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, keine Perspektiven zu haben.» Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund komme häufig die Erfahrung hinzu, nicht willkommen zu sein und keine Möglichkeit zu haben, die eigene Männlichkeit zu beweisen.

«Nur wenn wir diese Ursachen beheben, können wir dauerhaft etwas gegen die Gewalt tun», ist Martin Boess überzeugt. Daher arbeitet beispielsweise die Polizei seit 2006 vermehrt direkt und persönlich mit den Jugendlichen. Besonders im Visier sind die sogenannten Intensivtäter, die immer wieder straffällig werden. Hier arbeitet die Polizei eng mit der Familie, der Schule oder dem Lehrbetrieb zusammen, sodass möglichst alle am gleichen Strick ziehen. Ebenfalls Erfolg haben mobile Truppen, die mit den Jugendlichen an ihren Treffpunkten, zum Beispiel an Bahnhöfen, sprechen und ihnen aufzuzeigen, dass die Nutzung dieser Räume auch Pflichten mit sich bringt.

Des Weiteren plädiert Martin Boess für möglichst viele Angebote, beispielsweise Open Airs, bei denen Jugendliche mitbestimmen können. Doch werden diese Ansätze und Angebote reichen, um den erfreulichen Trend aufrechtzuerhalten? «Sich einfach darüber zu freuen, dass die Gewalt vom Pausenplatz verschwindet, reicht nicht. Die gleichen Täter weichen einfach vermehrt auf das Internet aus, wo sie zum Beispiel Klassenkameraden mobben. Darauf müssen wir unbedingt ein Auge haben», sagt Boess.

Autor: Andrea Fischer Schulthess