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17. August 2015

Friedhof der Kuscheltiere

Gehört das Ehebett ihnen?
Passt man nicht auf, gehört das Ehebett bald ihnen ... (Bild: Getty Images)

«Jetzt ist wirklich Schluss!» Ich sass neben Herrn Leinenbach im Bett und durchwühlte hektisch unsere Laken. «Ha! Schon wieder eins gefunden», rief ich triumphierend. Das Tierchen war braun und pelzig. Ich fackelte nicht lange und griff zu. Der Affe wirkte überrascht, als ich ihn in hohem Bogen aus dem Bett warf. Er landete wenig elegant in der Zimmerecke, direkt neben dem pinkfarbenen Hasen (Werbegeschenk meines Lieblingsschokoladenfabrikanten), dem Disney-Schneemann und der Raupe Nimmersatt. Ich fühlte mich irgendwie befreit.
«Mach endlich das Licht aus!», knurrte mein Angetrauter. Na gut, ich erklärte die Jagdsaison offiziell für beendet. Gerade wollte ich ins Land der Träume abgleiten, da stiess mein linker Fuss gegen etwas Kaltes. Quiiiiietsch! Verdammt, ich hatte die Gummigiraffe übersehen.

Ich mache es jetzt offiziell: Wir haben ein Stofftierproblem. Die Viecher sind überall. Sie verstopfen die Kinderzimmer, lungern auf dem Sofa herum – oder sie vergnügen sich in unserem Ehebett. Die Besiedlung begann schleichend. Das erste Stofftier schleppten wir sogar selbst ein. Es war ein knuffiger Hase mit Spieluhr im Bauch. Ida liebt das kleine Ding und hört auch heute, sieben Jahre später, immer noch gern die Hasenmusik. Dann kam die Puppe Lilli, wenig später das Ferkel Konrad. Dann Sissi (eine riesige Muttersau), der Elefant, der Affe, Horst, Arielle, die Raupe Nimmersatt. Und dann kam Eva …

Ich habe nichts gegen Kuscheltiere, Quietschenten oder Rasselmäuse. (Zumindest nichts, was hilft.) Es nervt mich nur, dass sich die Tiere ungehemmt in meinem Haushalt vermehren.
Mit den «guten» Viechern könnte ich noch leben. Sie wissen schon, die mit dem Knopf im Ohr, mit Liebe von Hand gestopft und so weiter.
Sorgen bereiten mir die Pelzträger, die nicht nur hässlich, sondern auch noch mittelgiftig und laut Schildchen leicht entflammbar sind. Da alle Verwandten glauben, dass wir hier ein Tierasyl betreiben, landet der Sondermüll immer bei uns. So wie neulich. Der Grosspapi fährt seine Karre durch die Waschstrasse. Am Ende schenkt man ihm, dem treuen Kunden, einen plüschigen Waschbär (hahaha). Selbstverständlich reicht er das Werbegeschenk an die liebsten Enkelinnen weiter.
Merkwürdigerweise stehen meine Töchter auf besonders abgefuckte Modelle. Ich hoffe inständig, dass das kein schlechtes Omen für die Zukunft ist.

Aber zurück in unser Ehebett. Die Quietschgiraffe sah mich mit ihren brauen Augen an. Ich wäre beinahe eingeknickt und hätte sie doch bei uns schlafen lassen. Aber dann besann ich mich – und die Savannenbewohnerin lernte zu fliegen. In jener Nacht träumte ich von einem Friedhof für Kuscheltiere.

Autor: Bettina Leinenbach