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25. Mai 2015

Friede? Freude? Freilaufhühner!

Glückliche Hühner bedeuten noch lange nicht, dass auch die Gärtnerin immer nur glücklich ist.

Hühner im Salat
Jetzt hat Frau Bohnebluescht den Salat - respektive ihre Hühner!

Kürzlich sprach mich an der jährlichen Kuhschau im Dorf (hej, ich wohne im Zürcher Oberland, da kriegen die Missen kein Krönli, sondern eine Treichel um den Hals gehängt!) ein Familienvater mit zwei Kindern im Schlepptau an. Ich sei doch die mit den frei laufenden Hühnern im Garten. Ich natürlich erst einmal zusammengezuckt in der Annahme, gleich eine Lärmklage an den Hals zu kriegen (Hüehntschi Nummer 2, Pokemon, kann bis heute kein Ei legen, ohne das lauthals dem ganzen Quartier kundzutun).
Doch weit gefehlt: Sie würden von ihrem Küchenfenster aus genau auf unsere Magnolie schauen, so der Familienvater, dort, wo sich unsere drei Damen nach getaner Gartenarbeit jeweils auszuruhen pflegen. Das sehe so richtig idyllisch aus. Und gerade für Kinder sei es doch toll, mit Tieren gross zu werden. Und anders als Meersäuli oder Hasen würden Hühner ja auch noch Eier legen. Und deshalb hätten er und seine Frau sich überlegt, sich ebenfalls glückliche Freilaufhühner zuzulegen. Wo man die denn poschten könne?
Ich bin dann gleich nochmals zusammengezuckt. Idyllisch?? Ja, aber nur solange man es aus einem weit entfernten Küchenfenster beobachten kann. Ich, die ich sozusagen mitten im Idyll lebe, kenne nämlich auch die Kehrseite der Medaille, die da lautet: «Glücklich frei laufende Hühner ignorieren aus Prinzip alle Ge- und Verbote welcher Art auch immer!» Nicht etwa weil sie so dumm sind, sondern so schlau. Und drum wissen sie ganz genau, dass dort, wo sie (eigentlich) nicht hindürften, etwas ganz besonders Schmackhaftes, Spannendes, Aufregendes los sein muss!

Glücklich frei laufende Hühner sind denn auch die, die mit Wonne über frisch gepflanzten Salat herfallen. Oder zarte Kohlräbli. Oder die ersten Erdbeeri.
Glücklich frei laufende Hühner sind die, die innert Minutenfrist jeden Häckselweg in einen Schützengraben à la Erster Weltkrieg verwandeln.
Glücklich frei laufende Hühner sind die, die den Hasen im Nachbarstall alle Körnli wegfressen.
Glücklich frei laufende Hühner sind die, die zielgerichtet auf die Fussmatte vor der Terrassentüre käckeln.
Glücklich frei laufende Hühner sind die, die mit ihrem Krallen jeden Rasen zu Tode vertikutieren.
Glücklich frei laufende Hühner sind die, die in Sohnemanns Sandkasten ganz oben auf der Sandburg sitzend ihr Sandbad geniessen.
Glücklich frei laufende Hühner sind die, die am Margeritenstrauch alle Blüten abrupfen, um diese anschliessend gelangweilt liegen zu lassen.
Glücklich frei laufende Hühner sind die, die auf einen herumstehenden Holzkohle-, Blumenerde- oder Hanfeinstreusack stossen und diesen «Schlegel a Wegge» zu «Huddle u Fätze» verarbeiten.
Die allerglücklichsten frei laufenden Hühner aber sind die, die entdecken, dass das Gartentürli mal wieder nicht richtig zu ist und in der Folge erst den Pöschtler und dann den Güselwagen ausbremsen. Das ist dann jeweils der Moment, da Frau Bohnebluescht sich überlegt, ihre Eier doch wieder lieber in der Migros zu kaufen.
Das heisst aber nicht, dass ich andere ihrer Illusionen berauben muss, oder? Und darum hab ich zu all den Ausführungen besagten Familienvaters nur genickt: idyllisch, ja. Und lehrreich, natürlich. Und gut schmeckend, keine Frage. Nur überleg ich mir so jetzt im Nachhinein, ob ich ihm nicht doch einen Link zu dieser Kolumne schicken sollte. Sonst hab ich plötzlich noch eine Klage wegen Irreführung am Hals!



Wer sich jetzt noch immer Hühner zulegen will, hier gibts ein paar Tipps und Selbsterfahrungen aus dem Bohnebluescht-Garten:
* Die Planung des Hühnerstalls plus die Frage, welche Rasse solls denn sein?
* Der Bau des neuen Hühnerstalls ist angelaufen.
* Das «Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, Abteilung Tierschutz» informiert zum Thema Hühnerwohl.
* Der Bau des neuen Hühnerstalls geht in den Endspurt.
* Das Federvieh ist eingezogen.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger